Garten-Bewässerung: Smarter gießen.

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Gartenbewässerung mit der Technik von Gardena.
Foto: Gardena

Zur Gärtnerkunst gehört unter anderem, es nach Plan regnen zu lassen, abgestimmt auf die einzelnen Pflanzen. Das geht auch mit smarter Technik.

Ob es uns gefällt oder nicht, der Klimawandel ist bereits im vollen Gang und er macht auch vor Mitteleuropa nicht halt. Extremwetterereignisse nehmen an Häufigkeit zu, Landwirte und Förster können ein Lied davon singen. Neben Stürmen und Orkanen macht sich die Klimaerwärmung mit zwei sehr gegensätzlichen Erscheinungen bemerkbar, einerseits heftigerem Starkregen, andererseits längeren Trockenzeiten. Das bekommen auch Gartenbesitzer zu spüren. Und fangen an, über professionelles Wassermanagement nachdenken.

Regenwassernutzung
Für die Regenwassernutzung: Gartenpumpe, die anstandslos Wasser aus Teich, Brunnen, Regentonne oder Zisterne befördert. Foto: Gardena

Grundlagen

Bewässern ist eine Wissenschaft für sich und macht Aufwand. Hat man genug Zeit und Muße, kann man ein paar Stunden pro Woche mit dem Schlauch oder mit der Gießkanne zwischen Beet, Strauß und Baum hin und her wandern. Was noch lange nicht heißt, dass dabei das Gießkannenprinzip genügt. Im Gegenteil, jede Pflanze muss nach ihrem eigenen Bedarf versorgt werden. Der Durst ist jeweils sehr unterschiedlich: Der Rasen nimmt erheblich mehr klares Nass auf als zum Beispiel der Strauch oder das Blumenbeet, oder gar ein Baum. Grund sind die relativ kurzen Wurzeln und deren hohe Dichte. Weiters spielt die Bodenart eine Rolle. Sandböden leiten das Wasser wesentlich schneller in tiefere Schichten als lehmige Böden, hier reichen geringere Mengen. Erfahrene Hobbygärtner wissen außerdem, wie wichtig das Timing ist: nicht in kurzen Zeitabständen sparsam gießen, sondern seltener und dafür großzügiger, das fördert die Wurzelbildung – die Pflanze muss sich sozusagen strecken, nach unten. Eine komplizierte Angelegenheit. Und irgendwann will man schließlich Urlaub machen, möchte aber vielleicht nicht schon wieder den Nachbarn beauftragen. Oder gar jemanden, den man eventuell noch „anlernen“ muss.

Überflur oder Unterflur?

„Es melden sich immer mehr Privatleute, die sich für unsere Produkte interessie-ren …“, so eine Mitarbeiterin der Firma BJ Bewässerungstechnik mit Sitz im bayerischen Lengfurt bei Würzburg. Die Kunden würden einfach den Komfort schätzen sowie das Gefühl, beruhigt in die Ferien fahren zu können, während ihr Naherholungsgebiet zu Hause sich um sich selber kümmert. BJ vertreibt Verteilsysteme mit Röhren oder Schläuchen, die es punktgenau und bedarfsgerecht tropfen oder sprühen lassen. Solche Technik ist schon lange nicht mehr den Profi-Gärtnern, Obst- und Gemüsebauern vorbehalten. „Unterflurbewässerung“ kann unsichtbar bleiben, selbst die Regner oder Düsen. Versenkregner tauchen erst auf, sobald sie in Aktion treten und verschwinden danach wieder. Abgestimmt auf die Rasenflächen werden Kreisregner oder Segmentregner eingesetzt. An den entsprechenden Düsen in den Beeten kann man Höhe, Weite und Winkel der Beregnung einstellen. So kann man unter anderem verhindern, dass die Blätter, Blüten und Stängel länger als nötig benetzt bleiben, und beugt damit zum Beispiel Mehltau vor. Einer der Hauptgründe für die Entwicklung moderner Bewässerungstechnik war indes Wasserknappheit. Mit ausgefuchsten Methoden wie der Tropfbewässerung hat man bekanntlich schon Wüsten in Plantagen verwandelt: Aus den Löchern oder Poren von überirdisch verlegten Spezialschläuchen – überflur – tritt das kostbare Nass genau dort aus, wo es dringend gebraucht wird; es wird sofort aufgesogen, bevor es verdunsten kann. Oder man verlegt den Poren-Schlauch gleich unterflur.

Planung

Im Vorfeld sollte man sich ein Bild von seinem grünen Wohnzimmer machen, im Kopf wie auf dem Papier, um feststellen zu können, wo überhaupt wann wie viel benötigt werden wird. Dabei geht man im Grunde ähnlich vor wie ein Heizungsbauer, der eine Fußbodenheizung plant: der will ja ebenfalls Wasser in Leitungen gleichmäßig und gerecht verteilen. Es muss dafür gesorgt sein, dass am von der Quelle am weitesten entfernten Punkt genug Druck herrscht. So kann es erforderlich werden, das System in verschiedene Bewässerungskreise zu unterteilen. Andererseits gilt es, die Rohre, Schläuche und Ventile, die direkt vom Hauswassernetz gespeist werden, mit einem Druckminderer zu schützen. Was aus dem Wasserwerk kommt, sind oft mehr als die zuträglichen 3,5 bar. Weiterhin ist das Geländegefälle zu berücksichtigen.

Smarter wässern

Smart wird das System, ergänzt man es mit Bewässerungscomputern. Die programmiert man mit den gewünschten Zeitfenstern und Wassermengen, nach Wochentagen und individuell nach Verteilkreis. Das i-Tüpfelchen ist natürlich der Regensensor, der den Betrieb unterbricht, sobald Niederschlag einsetzt. Echter Niederschlag, über den nichts geht, denn er ist anders als das Wasser aus der Leitung weich, das heißt kalkarm, und frei von Chlorgas. So fördert er die Aufnahme von Mineralien. Viele der erhältlichen Systeme sind zugleich für die Regenwassernutzung geeignet. Das hat zwei klare Vorteile: Man spart noch mehr teures Trinkwasser und kann den Regen, fällt er wieder einmal im Übermaß, zurückhalten, in Tonnen oder eingetieften Tanks, und so die heimische Kanalisation entlasten. Mit dem Inhalt kann man dann locker auch eventuelle Dürreperioden überbrücken. Alles eine Frage des Managements.

Buch-Tipp
So wichtig die Technik ist, das Gestalterische darf nicht zu kurz kommen, es macht ja gerade den Erholungswert des grünen Wohnzimmers aus. Der Verfasser dieses Ratgebers erklärt, wie man auf großem oder kleinem Areal ein Wasser-Idyll, ein Stück Natur anlegt, vom Miniatur-Bachlauf bis zum Naturschwimmbecken, von der Planung über die Aus- wahl der Flora und Fauna bis zur Pflege.

Peter Himmelhuber, Wasser im Garten – Naturnahe Teiche, Bachläufe und Badestellen selbst bauen, 1. Auflage 2013, ökobuch Verlag, 123 S., ISBN 978-3-936896-71-8; 15,95 €

 

 

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