Der individuelle Bodenbelag „iD Revolution“ von Tarkett ist zu 100 Prozent recycelbar und der erste elastische Designboden, der mit „Cradle to Cradle“ Gold zertifiziert wurde. Foto: Tarkett

Bei einem Hausbau oder einer Renovierung gibt es viele Details zu beachten. Wer dann auch noch auf nachhaltige Produkte achten möchte, ist rasch überfordert. Eine Richtlinie bieten Güte- und Qualitätssiegel. Doch es gibt viele. Wir geben einen Überblick über die gängigsten Prüfzeichen.

Im digitalen Zeitalter bringt die schier unendliche Informationsmenge Vor- und Nachteile mit sich. Da verliert man schnell mal den Überblick, zumal manche Inhalte und Quellen sich nur schwerlich auf ihren Wahrheitsgehalt bzw. ihre Seriosität überprüfen lassen.


Neu gebaute Fertighäuser garantieren dank hoher Qualitätsstandards nachhaltiges Bauen.


Angesichts der vielen Güte- und Qualitätssiegel in der Baubranche können Bauherren schnell den Überblick verlieren. Und überhaupt: Wie echt sind diese Qualitätsmerkmale und Leistungsversprechen eigentlich? Vergleichen sie den gesamten Markt oder nur die an den Untersuchungen teilnehmenden und dafür zahlenden Unternehmen?

Label, Gütezeichen, Prüfzertifikate sollen und können vor Schadstoffen 
schützen oder besonders nachhaltige Produkte kennzeichnen. Doch welche 
Zeichen sind gut und welche nicht? Und was sagen die überhaupt?

Durchblick im Label-Dschungel

Es gibt eine Unmenge von ihnen: Zeichen auf Verpackungen, mit denen die Hersteller die Qualität und Gesundheit ihrer Produkte belegen (wollen). Es sind so viele Gütesiegel, dass man von einem wahren Label-Dschungel sprechen kann.

Hier wie dort ist es schwierig, den Durchblick zu behalten. Steht hinter dem Zeichen eine unabhängige Institution? Was wird überhaupt wie geprüft? Und sind die Grenzwerte und Kriterien überhaupt streng genug?

„Es gibt eine Vielzahl von Zeichen, die nicht transparent sind oder die sich Hersteller quasi selbst verleihen“, betont Helmut Köttner. Er ist Technischer Leiter des Sentinel Haus Instituts. Das Unternehmen berät alle am Bau Beteiligten erfolgreich zum gesunden Bauen und Wohnen.


Gute Label unter einem Dach: Sentinel

Das Sentinel Haus Institut überprüft ständig die Qualität, die Aussagekraft und die Transparenz von Labeln oder Gütezeichen. Nur wenn diese hohen Anforderungen genügen, ist das Zeichen die Eintrittskarte für das Sentinel Portal, die größte Datenbank gesundheitlich geprüfter Produkte zum Bauen, Sanieren, Renovieren, Wohnen und Reinigen.

Produkte, die hier gelistet sind, bieten also eine hohe Sicherheit für wohngesundes Bauen und Wohnen. Zweiter Vorteil: Statt mühsam unzählige Internetseiten zu durchsuchen, findet man im Portal an einer Stelle gesundheitlich gute Produkte, die mit einem guten Label zertifiziert sind. Das spart viel Zeit.

Ein Beispiel: Die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe (s. unten) veröffentlicht keine individuellen Messungen eines Produktes, sondern bestätigt lediglich die Einhaltung von Klassengrenzen. Deshalb überprüft das Sentinel Haus Institut noch die Grundanforderungen hinsichtlich der eingesetzten Inhaltsstoffe.


Wichtiges Know-how für Bauherren

Frau an einem Laptop im Home Office.
Angesichts der Menge an Gütesiegeln können umweltbewusste Bauherren schnell den Überblick verlieren. Wir verraten, welche Gütesiegel wofür stehen. Foto: alphaspirit/stock.adobe.com

Bei der Beratung von Bauprofis spielen Produktlabel eine entscheidende Rolle. Denn im Idealfall werden sie nach klaren Richtlinien von einem unabhängigen Prüfinstitut oder einer Institution vergeben, die nach offiziellen Normen und Verfahren arbeitet.

„Grundlage für verlässliche Aussagen zur gesundheitlichen Qualität von Produkten sind Tests in akkreditierten Prüflaboren. Hier werden die Produkte in Prüfkammern unter festgelegten und vergleichbaren Bedingungen untersucht“, so der Experte.

Probennahme, Prüfverfahren und Grenzwerte entsprechen hier den offiziellen Anforderungen und den gültigen Normen bzw. dem Stand der Technik und werden nach dem aktuellen wissenschaftlichen Wissen regelmäßig aktualisiert.

Doch welche Label sind das jetzt genau und wofür stehen sie? Hier ist unsere Liste geeigneter Zeichen.

Gütesiegel im Gebäude- und Wohnbereich im Überblick:


eco tested product

Das private eco-Institut zeichnet mit hoher Sorgfalt, strengen Prüfkriterien und exakt dokumentierten Zertifizierungsbedingungen emissions-, geruchs- und schadstoffarme Bau- und Reinigungsprodukte, Einrichtungsgegenstände und Möbel aus.


natureplus

Das Qualitätszeichen des unabhängigen internationalen Vereins wird an Produkte aus nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen vergeben. Es umfasst nicht nur hohe gesundheitliche Standards während der Nutzungsphase, sondern zeichnet auch die Herstellung aus umweltfreundlichen und nachhaltigen Rohstoffe aus.


GUT-Label für textile Bodenbeläge

Das Zeichen der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichböden hat umfassende Anforderungen für Teppichböden für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche entwickelt. Diese beziehen sich auch auf die Emissionskriterien.


Blauer Engel für Bodenbeläge

Nicht alle Blauen Engel stellen den Gesundheitsschutz in den Vordergrund. Manchmal steht z.B. der Recyclinggedanke vorneweg.Man muss also schon genau hinschauen. Bei den Umweltzeichen für elastische Bodenbeläge (DE-UZ 120) und für textile Bodenbeläge (DE-UZ 128) ist das der Fall.


Eurofins Indoor Air comfort gold

Die private Eurofins-Gruppe vergibt ihr Zeichen an (Bau-)Produkte, die niedrige Emissionen ausweisen. Allerdings entspricht nur die „Gold“-Ausführung den höchsten Anforderungen, die zum Beispiel das Sentinel Haus Institut anlegt.


pure life

Das Zertifikat für die gesundheitliche Qualität von Polyurethan-Dämmstoffen wird von der Qualitätsgemeinschaft Polyurethan-Hartschaum (ÜGPU) vergeben. Die Prüfbedingungen gewährleisten, dass die Dämmstoffe niedrige Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen aufweisen.


TÜV Rheinland Schadstoffgeprüft

Die Richtlinien dieses TÜV-Labels für die gesundheitliche Wirkung eines Produktes orientieren sich an allgemeingültigen Vorgaben. Bei vielen Fertighaus-Unternehmen hat sich das Zeichen für schadstoffgeprüfte und schadstoffarme Gebäude etabliert.


C2C – Cradle-to-cradle

Das C2C-Label zeichnet Produkte aus, deren Designkonzept „von der Wiege bis zur Wiege“ auf einem geschlossenen Rohstoffkreislauf beruht und nicht nur einfache Recycling- oder Entsorgungsmöglichkeiten anbietet. In den Stufen „Gold“ und „Platin“ werden auch Emissionskriterien berücksichtigt.


EC1 plus

Der von Herstellern getragene Verein GEV-Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe zeichnet Bodenkleber und Verlegewerkstoffe in mehreren Klassen für niedrige Emissionen aus. „Sehr emissionsarm“ sind Produkte mit der besten Kategorie EC1plus.


FSC

Das Forest Stewardship Council will durch international einheitliche Standards eine nachhaltige Forstwirtschaft gewährleisten. Der Verein zeichnet Holz- oder Zellstoffprodukte aus zertifizierten Beständen aus. Aussagen über gesundheitliche Eigenschaften der Produkte macht das Zeichen nicht.


PEFC

Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes hat das Ziel, unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte eine nachhaltige Waldwirtschaft zu fördern. Gesundheitliche Kriterien spielen keine Rolle.


QDF

Die im Bundesverband Deutscher Fertigbau organisierten Fertighaushersteller haben sich 1989 zur Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF) zusammengeschlossen. Unabhängig geprüft werden sowohl die Material-, als auch die Ausführungsqualitäten der Häuser.


 

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