Chemie beim Bauen: Weniger ist oft mehr.

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Saint-Gobain Weber
Foto: Saint-Gobain Weber

Bauen und sanieren hat mehr mit Chemie zu tun, als man denkt. Bei der Auswahl der Produkte sollte man genau hinschauen, auch was die Handwerker so in ihrem Werkzeugkoffer haben.

Haftgrund, Kleber für Teppiche, Parkett oder Fliesen, Dichtstoffe aus Silikon oder Acryl fürs Bad und für die Küche, Montageschäume, Zusätze für Mörtel, Estriche und Putze, damit diese schneller abbinden oder sich leichter verarbeiten lassen – die Liste der chemischen Produkte, die beim Hausbau oder bei einer Sanierung zum Einsatz kommen, ist lang, deutlich länger als diese Aufzählung. Wer einen gut sortierten Baumarkt besucht, bekommt einen Eindruck davon, die Auswahl für Bauprofis ist noch einmal deutlich größer.

Effizienz: Nur wo es nötig ist

„Viel hilft viel“, ist beim Einsatz von Bauchemie der falsche Ansatz, wenn es darum geht, möglichst wenige Schadstoffe in die eigenen vier Wände zu lassen. Viele vermeintlich notwendige Produkte können durch Planung und eine sorgfältige und gewissenhafte Handwerksleistung schlichtweg entfallen. So kann man das „silikonisieren“ der Badewanne vermeiden, wenn man eines der (seltenen) Modelle mit einer Aufkantung kauft, bei dem der Wannenrand senkrecht nach oben gezogen ist, und einfach überfliest werden kann. Auch Bauschaum beim Fenstereinbau muss nicht sein: Hat der Maurer die Laibung sauber auf Maß beigeputzt und die Fenster sind exakt vermessen und eingebaut, reicht zum Beispiel auch ein Zopf Hanf, um die kleine Fuge zu stopfen, die ja sowieso mit einem Spezialklebeband gegen unkontrollierten Luftaustausch abgedichtet wird. Das dauert zwar etwas länger, dafür ist das Material preiswert.

Überhaupt kommt bei schlechten Handwerkern oft mehr Bauchemie zum Einsatz, weil viele Arbeiten schneller erledigt werden und Pfusch einfach kaschiert wird. Als aufmerksamer Bauherr oder Sanierer sollte man sich genau anschauen, welche Produkte zum Einsatz kommen sollen. Ein erster Hinweis sind die orangenen Warnmeter eingesetzt, weil der Untergrund nicht richtig vorbereitet und Fugen und Risse nicht geschlossen wurden. Die Konsequenz: Die Beschichtung trocknet nur langsam oder gar nicht. Ablüftzeiten für Lacke, Öle oder andere Beschichtungen müssen im Bauzeitenplan berücksichtigt werden. Das ist zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber nicht immer so einfach, denn auch auf vielen Baustellen gilt das Motto „Zeit ist Geld“. Ein gewissenhafter Handwerker und ein Architekt, der seine Kontrollpflichten ernst nimmt, sind hier nicht nur aus gesundheitlichen Gründen besonders wertvoll.

Silikonfugen können schnell Stockflecken erhalten und Schimmelbildung aufweisen. Biologische Wirkstoffe hemmen bei diesem Silikon die Sporenbildung und somit die Vermehrung des Schimmelpilzes. Foto: Sista/Henkel
Silikonfugen können schnell Stockflecken erhalten und Schimmelbildung aufweisen. Biologische Wirkstoffe hemmen bei diesem Silikon die Sporenbildung und somit die Vermehrung des Schimmelpilzes. Foto: Sista/Henkel

Gesunder Betrieb

Ein aus geprüft wohngesunden Baustoffen und mit schadstoffarmen Möbeln ausgestattetes Haus ist ein wichtiger Anfang für eine rundum gesunde Wohnumgebung. Aber nachdem die Bauarbeiter abgezogen sind und vielleicht ein Sachverständiger den Erfolg des Aufwands per Raumluftmessung bestätigt hat, ist es an den Bewohnern, ihren Lebensraum möglichst frei von Gesundheitsbeeinträchtigungen zu halten. Dabei spielt das richtige Lüften eine Rolle, das wir im Kapitel Raumluftqualität beschreiben. Der richtige Umgang mit Bioabfällen, Zimmerpflanzen und starken Feuchtigkeitsquellen wie Aquarien schützt vor Schimmel. Mit Raumsprays, Duftlampen und Ähnlichem sollte man sich zurückhalten und Raucher haben in einem wohngesunden Haushalt sowieso so viel verloren wie ein Elefant im Porzellanladen.

Auch Reinigungsmittel können eine große Quelle für Schadstoffe sein. Deshalb sollten Sie diese nach Verträglichkeit und Ökologie auswählen. Einfache Seifen oder Spülmittel mit nur wenigen Duftstoffen reichen in der Regel völlig aus. Allerdings haben auch ökologische Reinigungsmittel keine Garantie, dass sie individuell verträglich sind. Eine gute Entscheidungshilfe hat man beim Kauf von Reinigungsmitteln immer dabei, die eigene Nase: Wer scharf riechende Putzmittel vermeidet, hat schon einen wichtigen Schritt zum gesunden Wohnen getan. Putzlappen sollten häufiger gewechselt werden, weil sich hier Keime ansiedeln, auch der Kühlschranks freut sich über eine regelmäßige Reinigung und wer den Abfalleimer lieber einmal mehr als weniger leert, tut sich und seinen Mitbewohnern etwas Gutes. Wichtig: Desinfektionsmittel gehören nicht in den Haushalt! Denn Desinfektionsmittel enthalten Stoffe, die für die Gesundheit und die Umwelt gefährlich sein können. So können sie zum Beispiel Allergien und Ekzeme auslösen. Für eine normale Haushaltshygiene sind sie auch nicht notwendig und sollten nur bei konkretem Bedarf angewendet werden.