Friedlich unter einem Dach: Das Generationenhaus.

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Hassloch
Foto: Hassloch

Drei Generationen leben hier Wand an Wand, wohngesund und energiesparend. Mindestens genauso wichtig ist das Miteinander.

Schon auf den ersten Blick ist klar, dass dieses Haus nicht von der Stange kommt. Kein klassisches Satteldach, sondern zwei gegeneinander entlang der Längsachse versetzte Pultdächer. Dazu zwei Eingänge, optisch getrennt durch einen holzverkleideten Anschluss- und Aufbewahrungsraum. Die ungewohnte Aufteilung hat ihren Grund. Denn hier wohnen drei Generationen einer Familie genau nach ihren Wünschen: „Oma“ Petra Kipnik (55), Jörg Vetter (34) und Carolin Kipnik-Vetter (31) sowie Enkelin Carla (5) und Nesthäkchen Bennet (2) wollten unbedingt miteinander wohnen und leben. Aber eben nicht wie so oft in einer ganz großen und einer ganz kleinen Wohnung, sondern gleichberechtigt. Dazu sollte das neue Heim so wenig Energie wie möglich verbrauchen und vor allem wohngesund ausgestattet sein.

Wohnen nach Maß im Generationenhaus

Gleich drei Freisitze bieten zu jeder Tageszeit einen angenehmen Platz im Freien, einer davon ist auf der nicht einsehbaren Dachterrasse auf dem mit Holz verkleideten Kubus. Foto: Hassloch
Gleich drei Freisitze bieten zu jeder Tageszeit einen angenehmen Platz im Freien, einer davon ist auf der nicht einsehbaren Dachterrasse auf
dem mit Holz verkleideten Kubus. Foto: Hassloch

„Wir hatten schon vorher Tür an Tür in zwei nebeneinanderliegenden Eigentumswohnungen gelebt und wussten, dass wir uns gut verstehen“, sagt Jörg Vetter. Doch die Grundrisse von Fertighäusern und Bauträgern passten so gar nicht zu den Vorstellungen der Familie. „Hundertprozentig optimal war es nie“, erinnert sich Jörg Vetter. „Oder die notwendigen Änderungen wären so teuer geworden, dass es sich nicht gelohnt hätte“. Nach intensiven Recherchen in Zeitschriften und im Internet stieß die Baufamilie auf Karin und Ralf Vogel. Das Architektenehepaar aus der Nähe von Karlsruhe plant seit 20 Jahren ökologische und wohngesunde Häuser, vorwiegend in Holzbauweise. Einer ihrer Grundsätze: „Erst einmal den Bauherren genau zuhören und dann die Wünsche möglichst optimal umsetzen.“ Am Ende der intensiven Gespräche entstand erst auf dem Computer und dann auf einem passenden Baugrundstück ein zweigeteiltes Haus, das bei aller räumlichen Nähe die nötige Distanz wahrt: Statt wie so häufig übereinander, wohnen Petra Kipnik und die junge Familie nebeneinander, ähnlich wie in einem Doppelhaus. Der Hausteil von Petra Kipnik hat allerdings eine Ebene weniger. „Das reicht mir gut. Wichtiger als eine große Wohnung war mir, dass es richtig schön hell ist im Haus“, sagt die junge Oma und freut sich über sonnenhelle Räume durch die Ausrichtung ihrer Haushälfte nach Süden und Westen. Im mit Holz verkleideten Kubus steckt die Haustechnik mit Nahwärmeanschluss und Speicher für die Solaranlage.

Nur nicht 08/15

Innovativ und individuell ist auch die Haushälfte von Familie Vetter. „Auf keinen Fall wollten wir den typischen Bauträger-Grundriss, links das Gäste-WC, dann Garderobe, alles eng und dunkel“, erzählt Carolin Kipnik-Vetter. Und da das Grundstück doppelt so lang wie breit ist und die Südseite zur Wohnstraße hin weist, planten Karin und Ralf Vogel direkt neben dem Eingang einen verglasten Anbau, dem der große Esstisch als wichtigster Platz im Haus steht. Für Ordnung und eine optische Trennung zum Wohnzimmer sorgt ein Block in der Hausmitte. Er vereint Vorratskammer, Gäste-WC und die Garderobe. Die Küche kommt zudem ohne Hoch- und Oberschränke aus und schafft so ein luftiges Ambiente. Im ersten Obergeschoss liegen zwei gleichgroße Kinderzimmer und das Familienbad. Direkt daneben der Hauswirtschaftsraum, lange Wege in den Keller gibt es nicht, weil das Haus gar kein Untergeschoss besitzt, sondern auf einer gut gedämmten Bodenplatte steht.

„Obwohl die Haushälfte nur 4,85 Meter breit ist, vermittelt der Grundriss ein großzügiges Raumgefühl, an auch dem die Deckenhöhe von 2,65 Metern ihren Anteil hat“, erklärt Architekt Ralf Vogel. Foto: Hassloch
„Obwohl die Haushälfte nur 4,85 Meter breit ist, vermittelt der Grundriss ein großzügiges Raumgefühl, an auch dem die Deckenhöhe von 2,65 Metern ihren Anteil hat“, erklärt Architekt Ralf Vogel. Foto: Hassloch

Geprüft gesunde Materialien

Ebenso viel Achtsamkeit wie den Dingen, die man sieht, widmete die Familie den Dingen, die man nicht sieht, sondern riecht – Schadstoffen in Baumaterialien. Diese kommen häufiger vor als man denkt, auch bei offiziell zugelassenen Produkten. „Um Heizenergie zu sparen und den Standard KfW-Effizienzhaus 55 zu erreichen, ist die Hülle unseres Hauses gut gedämmt und sehr luftdicht. Das ist auch gut so“, erklärt Bauherr Jörg Vetter. Damit sich innerhalb des Hauses trotz Lüftungsanlage keine gesundheitsschädlichen Substanzen anreichern, hatten sich die Familie und auch Architekt Ralf Vogel vom Sentinel Haus Institut in Freiburg beraten lassen, das sich auf wohngesunde Baukonzepte spezialisiert hat. Die Experten nahmen alle Produkte unter die Lupe, auch solche, die nur in kleinen Mengen zum Einsatz kamen. Verwendet wurden nur solche Materialien, die nachgewiesenermaßen emissionsarm sind. Die mit Zellulose gedämmten Holzständerwände sind mit Fermacell greenline Gipsfaser-Platten verkleidet.

Diese können dank einer Beschichtung mit Keratin ähnlich wie Schafwolle Schadstoffe in der Raumluft wie Formaldehyd oder flüchtige organische Stoffe, kurz VOC, dauerhaft binden und abbauen. Im ganzen Haus kam ein emissionsarmer Lehmputz zum Einsatz, der gleichzeitig Schwankungen der Luftfeuchte ausgleicht, indem er Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Auch die Fenster und die Dachfenster von zwei Markenherstellern hatten, in Form von baugleichen Mustern, vorab in der Prüfkammer eines Labors ihre gesundheitliche Eignung bewiesen. Die Holzdecken sind keine klassischen Balkendecken, sondern tragende Kastenelemente eines Schweizer Herstellers. Deren Unterseite ist schon komplett fertig und wurde lediglich gegen Vergilben weiß lasiert. Lehmsteine in der Decke dämpfen den Trittschall und dienen als notwendige thermische Speichermasse, damit das Haus nicht zu schnell auskühlt oder sich aufheizt. So konnte auf den üblichen Nassestrich verzichtet werden. „Wir wollten in unser trockenes Holzhaus nicht wieder Feuchtigkeit reinbringen, auch um eine potenzielle Schimmelgefahr von vornherein auszuschließen“, sagt Jörg Vetter. Darauf kamen Fermacell greenline Trockenestrich-Elemente als Basis für die Bodenbeläge.

Der Beweis ist erbracht

Der Aufwand hat sich gelohnt: Eine abschließende Raumluftmessung bestätigte der Familie, dass ihr Wohnumfeld gesund ist und alle Vorsorgewerte, etwa des Umweltbundesamtes, einhält. Petra Kipnik bestätigt: „Nach Neubau riecht es hier wirklich nicht.“ So ist auch der Beweis erbracht, dass sich hohe Energieeffizienz und geprüfte Wohngesundheit gut miteinander verbinden lassen. Denn dank der Wärme eines Blockheizkraftwerks, den exzellent gedämmten Wänden sowie der Solaranlage für die Warmwasserbereitung beschränkt sich der Energieverbrauch der fünfköpfigen Familie auf ein Minimum. Die Photovoltaikanlage auf beiden Dachhälften liefert sogar mehr Strom, als die Familie benötigt.

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