Eine Heizungserneuerung schafft Möglichkeiten.

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mit Erdgas heizen
Foto: Zukunft Erdgas/IEU

Die Luft wird dünner für alte Heizanlagen. Viele müssen nach dem Willen des Gesetzgebers noch in diesem Jahr ihren Betrieb einstellen, daher ist eine Heizungserneuerung eine passende Chance, das bestehende Heizkonzept zu überdenken.

Die privaten Haushalte, also wir alle, verbrauchen fast ein Drittel der gesamten deutschen Primärenergie, also Öl, Gas und Kohle. 85 Prozent davon entfallen allein auf die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. Dafür verantwortlich sind vor allem unsanierte Altbauten mit veralteten Heizungen und schlechter Bausubstanz. Während im Neubau perfekt gedämmte Effizienz- und Passivhäuser an der Tagesordnung sind und Plusenergie-Häuser sogar mit positiven Energiebilanzen glänzen, verbrauchen ältere Gebäude jährlich 200 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche und mehr, damit es die Bewohner gemütlich warm haben. Das entspricht etwa 20 Litern Heizöl oder 20 Kubikmetern Erdgas. Entsprechend hoch ist das Einsparpotenzial. Nach Berechnungen der Deutschen Energie Agentur (dena) ließe sich der Energieverbrauch von Altbauten durch gute Wärmedämmung, neue Fenster und ein effizientes Heizsystem um bis zu 80 Prozent senken. Den ärgsten Energieverschwendern hat der Gesetzgeber mit der neuen Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2014 den Kampf angesagt. Demnach dürfen Heizkessel, die bis Ende 1984 oder früher eingebaut wurden, ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Jüngere Exemplare müssen nach spätestens 30 Jahren erneuert werden. Doch wie so häufig gibt es auch dieses Mal Ausnahmen von der Regel. Trotzdem sollten betroffene Hausbesitzer schon im eigenen Interesse überprüfen lassen, ob ein weiterer Betrieb wirtschaftlich ist und wie die Energieeffizienz ihres Hauses insgesamt nachhaltig verbessert werden kann.

Die Überprüfung mit einer Infrarot-Kamera deckt Mängel in der Bausubstanz eines Altbaus schonungslos auf. Foto: Thinkstock
Die Überprüfung mit einer Infrarot-Kamera deckt Mängel in der Bausubstanz eines Altbaus schonungslos auf. Foto: Thinkstock

Heizungserneuerung mit Konzept

Eine energetische Modernisierung ist eine komplexe Aufgabe. Kaum ein Gebäude gleicht dem anderen, die Palette an neuen Heiztechniken ist groß. Und manche davon sind in einem unsanierten Altbau eindeutig überfordert. Daher sollte eine Modernisierung ganzheitlich geplant werden – was nicht heißt, dass alles gleich umgesetzt werden muss, was sinnvoll und technisch möglich ist. Ein unabhängiger Energieberater sollte sich das Haus vom Keller bis zum Dach genau ansehen. Er wird auch die Themen Wärmedämmung und Fensteraustausch ansprechen. Er hat den Überblick über infrage kommende Heiztechniken, sucht die richtige aus und lässt sie entsprechend auslegen. Bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Bausubstanz kann sie meist gleich mehrere Nummern kleiner ausfallen. Solche unabhängigen Beratungen unterstützt der Staat seit vielen Jahren mit einem Zuschuss (s. Art. „Förderung“ in diesem Heft).

Aufs Haus zugeschnitten

Wo die Heiztechnik 20 Jahre und älter ist, wird der Austausch gegen ein modernes Brennwertgerät in der Regel den größten Kosten-Nutzen-Effekt haben. Wurde der Kessel aber schon vor einigen Jahren erneuert, bietet sich eventuell die Ein­bindung erneuerbarer Energien an, zum Beispiel eine Solarthermieanlage zur Warmwasser-Erzeugung oder ein Heizwasser führenden Kaminofen. Vielleicht rät der Energieberater aber auch zu einer Luft/Wasser-Wärmepumpe als Ergänzung oder einem Mikro-Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Diese Geräte können den Grundbedarf an Wärmeenergie decken, während der vorhandene Öl- oder Gaskessel als Notheizung für kalte Wintertage bereitstünde. Verfügt das Haus über Flächenheizungen, vergrößern sich die Optionen. Denn Fußboden- oder Wandheizungen, die schon bei geringen Heizungs-Vorlauftemperaturen behagliche Wärme liefern, bieten ideale Voraussetzungen für eine effiziente Nutzung von Sonnen-, Erd- und Umweltwärme. Auszahlen werden sich die energetische Verbesserungen ganz gewiss: durch eingesparte Heizkosten, eine höhere Wohnqualität und eine Wertsteigung des Hauses – dokumentiert im Gebäude-Energieausweis, der bei Vermietung und Verkauf zwingend vorgelegt werden muss.

Info-Tipp

Information in geballter Form bietet dieser Band aus dem ökobuch Verlag. Die Autoren stellen nicht nur die heute erhältlichen Heiztechniken en detail vor, sie informieren auch darüber, auf welchem energetischen Niveau sich das jeweilige Gebäude befinden muss, damit die ausgewählte Heizanlage sowohl umweltverträglich als auch wirtschaftlich läuft.

livvi-heizungserneuerung
Foto: Marion Schulz/Hubert Westkämper/Ökobuch

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