In den Wind drehen: Kleinwindanlagen.

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Kleinwindanlagen
Foto: RS-Energietechnik

Die Sonne schickt keine Rechnung, so heißt es. Der Wind ebenso wenig. Stimmen die Voraussetzungen, kann die Erzeugung von sauberem, CO2-freiem Strom aus Windkraft auch für private Bauherren eine Option sein.

Von der großen Politik werden die erneuerbaren Energien gerade etwas stiefmütterlich behandelt, erkennbar an den stark gesunkenen Vergütungen für Sonnen- und Windstrom. Wenn Paul Kühn vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) dennoch ein wachsendes Interesse an „Kleinwindenergieanlagen“ (bis 100 kW) feststellt, hat das mit den drastisch steigenden Netzstrompreisen zu tun. Wie im Fall der Photovoltaik wird die Option Eigenverbrauch verlockender, die Erzeugung für den eigenen Bedarf.

Standort und Ertrag

Für Windstrom gibt es zwar lediglich um die 9 Cent pro Kilowattstunde vom Versorger. Ein Anschluss ans Netz ist dennoch immer sinnvoll, um die kWh, die nicht im Haus verbraucht werden, verkaufen zu können. Der Drehstrom des Generators wird in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt, dann über einen Zweirichtungszähler ins Haus oder nach draußen weitergeleitet. Mit den beliebten Mikro-Windkraftanlagen, mit Nennleistungen bis 1,5 Kilowatt, komme man allerdings nicht weit, meint Roger Schneider von der Firma RS-Energietechnik, zugleich Vorsitzender des Bundesverbandes Kleinwindanlagen e.V. (BVKW). Erst solche mit 3 bis 5 Kilowatt, auf frei stehenden Masten ab Höhen von 10 Meter, brächten vorzeigbare Erträge – bei Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich mindestens 4 Metern pro Sekunde. Und auch das nur, sofern korrekt geplant und platziert. Ideale „Windhöffigkeit“, also einigermaßen konstant hohe Windgeschwindigkeit, findet man in Deutschland nur an der Küste und in den Mittelgebirgen, in den übrigen Regionen ist eine genaue Standortanalyse erforderlich. Schneider und sein Team nehmen Messungen am geplanten Aufstellort vor, sie schauen sich die lokalen Wetterdaten der letzten 20 Jahre und vor allem die unmittelbare Umgebung an: Verwirbelungen, die den Ertrag enorm mindern, werden durch Bäume, Sträucher und umliegende Gebäude verursacht. Die Ertragsminderung fällt aber umso geringer aus, je höher der Rotor angebracht ist.

Speichern für den Eigenverbrauch

Dann gilt es, die Leistungsgröße des Modells, am besten eines mit Zertifikat, dem Verbrauchsprofil der Hausbewohner anzupassen, damit die Stromproduktion möglichst viele der teuren Netz-kWh ersetzt. 4.000 kWh und mehr als Jahresproduktion sind für Haus- und Nebenwindanlagen durchaus erreichbar. Speicherbatterien, teils noch recht kostspielig (zumal Lithium-Ionen-Akkus), können den Eigenverbrauchsanteil auf um die 60 Prozent steigern. Günstiger ist es derzeit jedoch, die Windenergie über eine Heizpatrone im Heizungs-Pufferspeicher in Form von Nutzwärme zu lagern. In einigen Bundesländern sind Kleinwindanlagen, übrigens die perfekte Ergänzung zu Solarstromanlagen, bis zu einer Höhe von zehn Metern genehmigungsfrei. Trotzdem sollte die Behörde von Anfang an mit einbezogen werden. Statische Sicherheit, Schattenschlag, Schallemissionen und die eventuelle Gefährdung von Vögeln und Fledermäusen werden kritisch geprüft werden.

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Foto: RS Energietechnik

Kampf für Windmühlen

Einen Don Quijote würden die kleinen Rotoren kaum herausfordern, manche Bauämter und Nachbarn reizen sie dafür offenbar umso mehr. Wo das Projekt abgelehnt wird, sollte man hartnäckig bleiben, auch rechtliche Schritte erwägen. Und keine Bange, nicht nur die Hersteller und Montagebetriebe helfen mit Rat und Tat – eine kleine, aber rege Szene von Windkraftwerksbetreibern, erreichbar über Foren im Internet, gibt Neulingen gerne Tipps und emotionalen Beistand.

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