Brennwerttechnik: wirtschaflicher Weltmeister.

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Brennwerttechnik
Foto: Vaillant

Wenn’s darum geht, die Energie der fossilen Brennstoffe Öl und Gas bestmöglich zu verwerten, ist die Brennwerttechnik unangefochtener Weltmeister – und hoch wirtschaftlich dazu.

Schon seit einer ganzen Reihe von Jahren sind Brennwertheizungen Stand der Technik für die Brennstoffe Heizöl, Erd- und Flüssiggas. Und daran wird sich künftig kaum etwas ändern. Denn sie machen die im Brennstoff enthaltene Primärenergie jetzt schon bis zur Grenze des physikalisch Machbaren für das häusliche Heizsystem nutzbar. Mehr geht nicht. Der Grund für die hohe Effizienz: Brennwertgeräte stellen dem Heizsystem nicht nur die im Brennraum frei werdende Energie zur Verfügung, sondern auch die Wärme, die in den heißen Abgasen steckt.

Mehrwert durch Brennwert-Effekt

Das Plus durch den „Brennwert-Effekt“ ist nicht zu verachten. Erdgas, Flüssig- und Biogas enthalten reichlich Wasserstoff, ihre Verbrennungsprodukte daher viel Wasserdampf. Beim Heizöl ist es um die Hälfte weniger, jedoch immer noch genug. Lässt man die heißen Abgase über kalte Oberflächen streichen, kondensiert der Wasserdampf, die Hitze wird übertragen. Im Brennwertgerät gehört die kalte Oberfläche zum Wärmetauscher, in dem das abgekühlte Heizwasser aus den Heizkörpern in Richtung Kessel fließt – der Rücklauf. Er wird auf diese Weise auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Der Kessel arbeitet modulierend, das heißt, er passt seine Leistung stufenlos an den Wärmebedarf in den Räumen in Abhängigkeit von der Außentemperatur an und muss jetzt nicht mehr so viel Gas (oder Öl) geben, um das Wasser auf den angeforderten Wert hochzuheizen. Da Gas so gut wie schwefelfrei ist, enthält das Kondensat kaum Schwefelsäure, es kann einfach in die Kanalisation eingeleitet werden. Das gilt auch für Öl-Brennwertkessel, wenn sie mit „Heizöl EL schwefelarm“ betrieben werden. Um den Mehrwert deutlicher herauszustreichen, bedienten sich die Hersteller lange einer irreführenden Berechnungsweise des Wirkungsgrades (und manche tun das heute noch): Sie bezogen das, was ihre Technik auf dem Prüfstand aus dem Brennstoff herausholte, auf den maximal möglichen Ertrag im Brennraum, auch „unterer Heizwert“ oder Hu genannt. Und siehe da, Gas-Brennwertkessel glänzten mit Wirkungsgraden von bis zu 111 Prozent, Öl-Geräte mit immerhin noch maximal 106 Prozent. Zahlen, die etwas hermachen, aber auch Blendwerk sind. Misst man dagegen Brennwertgeräte an ihren eigenen Maßstäben, am „oberen Heizwert“ oder eben „Brennwert“, ist bei knapp unter 100 Schluss.

Flüssiggas kann man in Verbindung mit besonders energieeffizienten Technologien einsetzen: So erreichen moderne Brennwertgeräte hervorragende Werte in punkto Nutzungsgrad, Energieverbrauch sowie Schadstoffminderung. Eine Kombination mit Solartechnik ist ebenso ideal. Foto: Progas

Flüssiggas kann man in Verbindung mit besonders energieeffizienten Technologien einsetzen: So erreichen moderne Brennwertgeräte hervorragende Werte in punkto Nutzungsgrad, Energieverbrauch sowie Schadstoffminderung. Eine Kombination mit Solartechnik ist ebenso ideal. Foto: Progas

Heizsystem abstimmen

Den Hausbesitzer aber sollte nicht nur interessieren, was sein Kessel auf dem Prüfstand kann, sondern was er ihm in der Praxis bringt. Also der naturgemäß geringere Normnutzungsgrad, der das Verhältnis von im Brennstoff enthaltener zu im Haus nutzbarer Energie angibt. Er hängt nicht allein vom Gerät ab. Dem Abgasstrom wird die Energie vom Heizungsrücklauf entzogen, deswegen sollte dieser so kühl wie möglich sein, um möglichst viel Wärme aufnehmen zu können. Ob die alten Radiatoren, die früher noch mit bis zu 90 Grad heißem Wasser bedient wurden, zum neuen Wärmeerzeuger passen, muss der Heizungsfachmann in der Praxis abklären. Besser sind moderne Flachheizkörper, die mit 55 Grad Vorlauf überall gemütliche Wärme erzeugen, oder Wand- oder Fußbodenheizungen: Ihnen reichen bereits 40 Grad Vorlauftemperatur und weniger, da auf großer Abstrahlfläche trotz niedrigerer Temperaturen die gleiche Wärmemenge in den Raum gelangt. Der Rücklauf hat dann 30 Grad und weniger und ist entsprechend „aufnahmefähig“.

Immer mehr Heizkessel werden internetfähig. Das ermöglicht dem Installateur die Ferndiagnose und den Hausbewohnern eine Steuerung über Smartphone oder Tablet-PC. Foto: Buderus
Immer mehr Heizkessel werden internetfähig. Das ermöglicht dem Installateur die Ferndiagnose und den Hausbewohnern eine Steuerung über Smartphone oder Tablet-PC. Foto: Buderus

Mit Druck ins Freie

Da die kühlen Abgase von Brennwertgeräten unter geringerem Druck stehen als die heißen Rauchgase alter Wärme- erzeuger, schaffen sie es nicht aus eigener Kraft durch den Schornstein hinaus ins Freie. Gelöst wird dieses Problem mit einer eigenen Abgasleitung. Diese kann direkt durchs Dach oder die Außenwand, aber auch durch den vorhandenen Schorn- steinschacht nach draußen geführt werden. Ein im Abgassystem integrierter Ventilator sorgt für den nötigen Überdruck, mit dem die abgekühlten Gase nach oben befördert werden. Stand der Technik sind sogenannte Luft/Abgas-Rohre, Rohr-in-Rohr-Systeme, die gleichzeitig Frischluft heranführen. Deshalb können moderne Brennwertkessel raumluftunabhängig auch im Wohnbereich aufgestellt werden.

Moderne Regelungen erlauben die bequeme Heizungssteuerung vom Wohnraum aus. Die Regler sind meist intuitiv bedienbar und machen auch optisch was her. Foto: Vaillant
Moderne Regelungen erlauben die bequeme Heizungssteuerung vom Wohnraum aus. Die Regler sind meist intuitiv bedienbar und machen auch optisch was her. Foto: Vaillant

Partner für Erneuerbare

Brennwertkessel sind klein, kompakt, leistungsstark und vor allem schnell. Damit sind sie wie geschaffen zur Unterstützung trägerer Heizsysteme, die erneuerbare Energien nutzen. So kann das Brennwertgerät als Partner einer Luft/Wasser-Wärmepumpe den üblichen Elektroheizstab ersetzen, wenn in der Außenluft kaum noch Wärme zu holen ist. Im Verbund mit einem wasserführenden Kaminofen heizt es den gemeinsamen Pufferspeicher nach, sobald die Heizwassertemperatur unter einen definierten Wert fällt. Am gebräuchlichsten ist jedoch die Teamarbeit mit einer Solarthermieanlage. Viele Hersteller liefern zum Beispiel perfekt aufeinander abgestimmte Einheiten aus Brenner und Warmwasserspeicher, der mal von den Solarkollektoren, mal vom Brenner geladen wird, nach ausgetüftelten Regelungs-Programmen. Schon im Hinblick auf die Preisentwicklung der fossilen Brennstoffe sollte man bei der Heizungserneuerung stets überlegen, zumindest den Energieträger Sonne mit ins Boot holen.

Weitere Infos

So funktioniert’s!
In einem Brennwertgerät werden die heißen Abgase über einen Wärmetauscher geführt, in dem das abgekühlte Wasser aus dem Heizungsrücklauf fließt. Der in den Abgasen enthaltene Wasserdampf kondensiert, die dabei entstehende Wärme wird auf das Heizwasser übertragen. So wird das Rücklaufwasser bereits vorgewärmt, bevor der Brenner es erneut aufheizt. Das bei der Kondensation entstehende Wasser wird in die Kanalisation abgeleitet. Grafik: Junkers

Finanzierung & Förderung
Wer beim Ersatz eines alten Kessels durch ein Brennwertgerät auch Solarthermie-Technik einbindet, kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – neben der Förderung für Solarthermie in Höhe von mindestens 1.500 Euro – zusätzlich einen Kesseltauschbonus in Höhe von 500 Euro beantragen. Kombinierbar sind die BAFA-Zuschüsse mit dem KfW-Programm 167, mit dem die förderfähigen Investitionskosten (abzüglich des BAFA-Zuschusses) zu sehr günstigen Kredit-Zinssätzen finanzierbar sind.

Was kostet das?
Gas-Brennwertgeräte mit Warmwasserspeicher: ca. 3.000 und 5.000 Euro.
Öl-Brennwert-Kessel mit Warmwasserspeicher: ca. 4.500 bis 6.000 Euro
Die Montagekosten hängen von den Gegebenheiten vor Ort ab, z. B. dem Zustand des Kaminschachts oder dem möglichen Aufstellplatz.

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