Holzheizkomfort: Heizen mit Pellets.

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Vaillant heizen mit Pellets
Foto: Vaillant

Pelletkessel mögen vielleicht nicht so romantisch sein wie Kaminöfen, wirtschaftlicher sind sie allemal. Für Altbauten mit höherem Energiebedarf sind sie die Alternative zur Gas- oder Ölheizung.

Da könnte eine Enttäuschung auf die Besucher warten, kommen sie nach dem Kesseltausch das erste Mal wieder vorbei. Hat man ihnen doch erzählt, dass man jetzt mit Holz heizt anstatt mit Öl. Nur gibt es nicht viel zu sehen und zu hören. Keine fauchende, lebendige Flamme, keine knackenden Scheite, die Technik, der Kessel, ist rein äußerlich von einer modernen Öl- oder Gasheizung kaum zu unterscheiden. Das hat so gar nichts von der „Wärme für die Seele“, wegen der sich Kaminöfen fürs Wohnzimmer nach wie vor gut verkaufen. Hier werden Pellets verbrannt, genormte Presslinge aus Säge- und Hobelspänen.

CO2-neutral und sauber

Die Technik kommt ursprünglich aus den USA, ist durch und durch auf Hochleistung und Effizienz getrimmt (und sieht eben meist auch danach aus). Angefangen bei der Herstellung des Brennstoffs. Unter Hochdruck werden die Späne zu sechs Millimeter dicken, um die drei Zentimeter langen Energiepillen gepresst, trocken, abriebfest und deswegen mit bescheidener Staubentwicklung, werden sie geschüttet, verfrachtet und per Saugschlauch von A nach B befördert. Auf ihrem Weg von der Fabrik bis auf den Brennteller im Kessel muss kein einziges Mal ein Mensch Hand anlegen, außer zur gelegentlichen Qualitätskontrolle. Die Pillen können in kleinsten Mengen verbrannt, Wärme kann in kleinsten Dosen erzeugt werden. Ein Kilogramm enthält ungefähr 4,9 kWh reine Energie. An Kohlendioxid oder CO2 wird nur die Menge freigesetzt, die der Baum zuvor der Atmosphäre entnommen hat und im Falle seines natürlichen Ablebens ebenso wieder abgegeben hätte. So heizt man „CO2-neutral“, anders als mit Öl- oder Gaskessel, die die Atmosphäre mit zusätzlichem Kohlendioxid in unnatürlicher Menge belasten und das Klima aus dem Gleichgewicht bringen. Eine sinnliche Erfahrung mag der Betrieb eines Pelletkessels nicht sein, aber in Sachen Sauberkeit und Effizienz ist er dem Kaminofen weit voraus. Auch der läuft CO2-neutral. Leider aber, so beobachten es viele Schornsteinfeger und Energieberater, werden die von Hand betriebenen Kaminöfen häufig falsch bedient, mit feuchtem, auch einmal mit durch Lack- und Farbreste belastetem Holz beschickt, und während des Brandes nicht optimal mit Sauerstoff versorgt. Sie geben dann vermehrt Feinstaub, Ruß und die giftigen PAK ab, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Ergebnis unvollständiger Verbrennung. Ihre Emissionen bereiten den Umweltreferaten der Städte und Gemeinden zunehmend Kopfzerbrechen.

Vollautomatisch

Die Pelletkessel-Konstrukteure dagegen, man muss es so hart ausdrücken, haben einfach die Fehlerquelle Mensch ausgeschaltet. Das und der genormte Brennstoff ermöglichen einen hohen Wirkungsgrad und niedrigen Schadstoffausstoß. Automatisch werden die Pellets vom Lager zum selbstreinigenden Brennteller transportiert. Eine Lambdasonde im Abgasstrom misst den Sauerstoffgehalt, Hinweis auf die Verbrennungsgüte. Entsprechend der Werte wird die Frischluftzufuhr laufend angepasst, unvollständige Verbrennung ist so gut wie ausgeschlossen. Im Abgasrohr kann zusätzlich ein Partikelabscheider mit Hochspannungselektrode eingesetzt werden: Ruß- und Staubteilchen werden elektrisch geladen und setzen sich an der Rohrwandung ab, sind dort vom Schornsteinfeger leicht zu entfernen. Insgesamt sollen, glaubt man den Herstellern, die heute produzierten Kessel bereits Abgasnormen der BImSchV (Bundes-Immissionsschutz-Verordnung) unterschreiten, welche erst 2020 gelten werden. Es entstehen bei ordnungsgemäßer Verbrennung Kohlendioxid, geringe Mengen an Ruß, Feinstaub und Teer, Wasserdampf, geringe Mengen an Kohlenmonoxid. Dazu Asche, höchstens drei Prozent der Pelletmasse, die als Gartendünger genutzt werden kann. Der Preis für die kleinen Presslinge, bezogen auf die Kilowattstunde Wärme (ca. 4,6 ct), ist Schwankungen unterworfen, lag bisher jedoch beständig unter dem für fossile Brennstoffe (derzeit: um ein Drittel unter dem von Öl). Laut dem DEPV, dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V., stammen die hierzulande angebotenen Pellets aus dem heimischen Wald. Aus dem kann man nicht unbegrenzt Holz entnehmen, doch wachse immer noch mehr nach, als genutzt werde.

Nach einem berühmten Architekten benannt, kann der Speicherofen „Aalto“ sowohl Scheitholz als auch Pellets verbrennen. Foto: Tulikivi
Nach einem berühmten Architekten benannt, kann der Speicherofen „Aalto“ sowohl Scheitholz als auch Pellets verbrennen. Foto: Tulikivi

Wärme en gros

Ein Pelletkessel kann auf Anforderung also kleine Mengen an Wärme produzieren, aber er kann ebenso gut richtig losbullern. Er wird daher bevorzugt dort eingesetzt, wo der Wärmebedarf eines Altbaus nicht wesentlich gesenkt werden kann, zum Beispiel weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht und Veränderungen der Fassade durch Außendämmung nicht genehmigt werden. Ist außerdem mit dem Tankraum noch der zukünftige Platz für das Vorratslager im Keller vorhanden, sind die Bedingungen perfekt. Obwohl ein Pelletkessel stufenlos regelbar ist und punktgenau Wärme liefern kann, wird es sich meist lohnen, ihm einen Pufferspeicher an die Seite zu stellen. Wie bei jedem Öl- oder Gaskessel sind häufige Brennerstarts (das „Takten“) mit erhöhtem Brennstoffverbrauch und erhöhtem Schadstoffausstoß verbunden. Kann der Kessel jedoch einen Pufferspeicher füllen, darf er länger durchlaufen, was die Effizienz deutlich verbessert. Blick auf die Flamme Heizen mit Pellets ist eine Sache für kühle Rechner und wärmt nicht unbedingt die Seele – siehe oben. Ist der physikalische Wärmebedarf aber eher gering, oder braucht es lediglich eine Zweit- oder Drittheizung für die Übergangszeiten, kann der Pellet-Einzelofen zur Aufstellung im Wohnzimmer ins Spiel kommen, von Hand zu befüllen. Modelle mit Wassertasche können zum Teil einer Zentralheizung werden. Sie besitzen ein Fenster, durch das man freien Blick auf den Brennraum hat, für manchen an Winterabenden immer noch das liebste Fernsehprogramm. Und beruhigend für diejenigen, die nur glauben, was sie sehen.

Brennwerttechnik nutzt zusätzlich die Energie der heißen, wasserdampfhaltigen Abgase. Aufgrund des höheren Rußanteils bei der Holzverbrennung wird ein selbstreinigender Wärmetauscher benötigt. Foto: Ölofen
Brennwerttechnik nutzt zusätzlich die Energie der heißen, wasserdampfhaltigen Abgase. Aufgrund des höheren Rußanteils bei der Holzverbrennung wird ein selbstreinigender Wärmetauscher benötigt. Foto: Ölofen

Förderung und Energieberatung
Einen ersten Überblick über eventuelle Finanzspritzen von Bund, Land, Kommune oder sogar Energieversorger verschafft man sich mit der Förderfibel des Deutschen Pelletinstituts, Bundesminis­terium für Wirtschaft und Technologie , dena – Deutsche Energie-Agentur, BINE Informationsdienst und Bauförderer.
KfW – Mit einem Pelletkessel senkt man seinen Primärenergieverbrauch drastisch, von der KfW gibt es dafür Kredite und Zuschüsse. Modernisierer nehmen die Programme „151 – Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen“ und „167 – Energieeffizient Sanieren – Ergänzungskredit“ in Anspruch.
BAFA – Vom „Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle“ kommen Zuschüsse, bei Kombination mit einem Pufferspeicher kann es einen Bonus geben. Außerdem wird die Vor-Ort-Beratung durch den Energieberater gefördert.
Ethikbank – sie bietet einen „ÖkoBaukredit“ an, u.a. für die Nutzung regenerativer Energien.

Info:
Pellet-Einzelofen (zur Aufstellung im Wohnbereich) – 2.000 bis 5.000 € Pellet-Zentralheizung, vollautomatisch – ab ca. 10.000 €
Holzpellet-Kessel mit Beschickungs­- vorrichtung und Solaranlage für Warmwasser – 20.000 bis 23.000 €
Hersteller von Pelletkesseln findet man auf der Internetseite des „Centralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerks“. Die Website listet Pelletkessel auf, die das Öko-Institut Freiburg hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit überzeugt haben. Man sollte, hat man sich für einen Pufferspeicher entschieden, eventuell sogar die Kombination mit Solarkollektoren ins Auge fassen. In den Sommermonaten, in denen Warmwasserbereitung, aber so gut wie keine Raumheizung gefordert ist, kann der Kessel kalt bleiben. Die Pellets werden ja derweil nicht schlecht – theoretisch sind die nach Norm trockenen Holzpresslinge unbegrenzt lagerfähig.
Der Jahresvorrat für ein Einfamilienhaus, ca. 3 bis 6 t, findet bequem in einem Sacksilo Platz, dort wo zuvor die Öltanks standen. Billig-Pellets können zu erhöhtem Schadstoff-Ausstoß und zur Verschlackung des Kessels führen, daher sollte man Qualität nach ENplus A1 kaufen und Lieferquittungen wie Rechnungen aufbewahren. Sein Lager oder seinen Silo füllt man am besten im Sommer, wenn die Preise niedriger sind.

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