Holzheizungen: Gemütlichkeit mit Öko-Bonus.

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Mit Holz und Pellets heizen
Foto: Thinkstock/Tatyana Aleksieva-Sabeva

Heizen mit Holz ist beliebt, nicht zuletzt, weil es unseren tiefen Wunsch nach einer flackernden Wärmequelle erfüllt. Angesichts der vielen Möglichkeiten sollte man sich die Stärken der einzelnen Varianten aber genau anschauen, auch was die Anforderungen an den Umweltschutz betrifft.

Für den Privathaushalt spielen Scheitholz und Pellets die Hauptrolle. Scheitholz wärmt gleich zweimal: Zuerst beim Sägen, Spalten und Aufschichten und dann beim Verbrennen. Zumindest dann, wenn man den Brennstoff selbst aus dem Wald holt und verarbeitet. Natürlich kann man sich die Scheite in der passenden Länge und gut getrocknet auch vor die Haustür liefern lassen. Letztlich ist das eine Frage des Preises und der eigenen Möglichkeiten. Besonders komfortabel wird das Heizen mit Holz mit Pellets. Das sind aus Holzstaub und Sägemehl gepresste, sechs bis acht Millimeter lange „Würstchen“. Sie werden einfach im Tankwagen oder im handlichen Sack transportiert und lassen sich bedarfsgerecht für die Verbrennung portionieren. In Sachen Ökologie sind beide Varianten Spitzenreiter. Vor allem dann, wenn es um den Schutz des Klimas geht. Denn Holzheizungen stoßen nur so viel CO2 aus, wie der Baum vorher beim Wachsen gebunden hat. Die Bilanz ist also nahezu neutral, sieht man vom Energieeinsatz für eine eventuelle Trocknung und den Transport ab. Bei anderen Luftschadstoffen, vor allem beim Feinstaub, haben die Pelletheizungen Vorteile. Ihre elektronisch gesteuerte Verbrennung gewährleistet niedrige Feinstaubwerte. Aber auch Kaminöfen sind mit einer elektronischen Steuerung zu haben. Die macht nicht nur das Anheizen zum Kinderspiel. Stellt sich nur noch die Frage nach dem richtigen Ofen oder Kessel.

Kaminöfen – Romantik inklusive

Der Kaminofen für Scheitholz ist der Klassiker schlechthin für alle, die sich ein Lagerfeuergefühl ins Wohnzimmer holen wollen. Die kompakten Öfen sind schon ab wenigen tausend Euro zu haben. Zudem sind nur ein wenig Platz und ein Ofenrohr notwendig, um sie an einen vorhandenen Schornstein anzuschließen. Ein Kaminofen kann in der Übergangszeit die Zentralheizung ersetzen oder ergänzen. Dazu sollte ein Fachmann den Wärmebedarf berechnen. Denn die Leistungen vieler Öfen liegt zwischen 8 bis 14 Kilowatt. Das ist für ein gut gedämmtes Haus schon meistens zu viel. Mittlerweile sind auch Modelle verfügbar die eine Leistung von drei bis sechs Kilowatt haben. Ein zu groß dimensionierter Ofen hat mehr Nach- als Vorteile. So wird gerade in der Übergangszeit der Raum rasch überheizt. Und wenn der Ofen nur auf sehr kleiner Flamme brennt, kann es zu schlechteren Schadstoffwerten kommen als bei voller Leistung. Wer aus dem Brennholz möglichst viel Wärme herausholen sowie die Umwelt vor Schadstoffen und die Nachbarn vor Qualm bewahren will, sollte auf eine ausgefeilte Feuerungstechnik achten. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Ob elektronische Steuerungen, spezielle Filter oder eine Verbrennung mit doppelter Flamme, alle Techniken ermöglichen Schadstoffwerte, die deutlich unter den Mindestwerten der seit dem 1.1.2015 verschärften Bundesimmissionsschutzverordnung liegen.

Die Holzvergaserkessel „BVG-Lambda“ mit einer Kesselleistung von 20 oder 30 kW zeichnen sich durch robuste Bauweise, hohen Wirkungsgrad und durch niedrige CO- und Staubemission aus. Die gute Zugänglichkeit zum Feuerraum und zum Ascheraum ermöglichen eine leichte Wartung und Reinigung. Wolf
Die Holzvergaserkessel „BVG-Lambda“ mit einer Kesselleistung von 20 oder 30 kW zeichnen sich durch robuste Bauweise, hohen Wirkungsgrad und durch niedrige CO- und Staubemission aus. Die gute Zugänglichkeit zum Feuerraum und zum Ascheraum ermöglichen eine leichte Wartung und Reinigung. Foto: Wolf

Anschluss an Zentralheizung

Über ein in den Ofen integriertes Heizregister, auch Wassertasche genannt, kann man einen Kaminofen auch an die Zentralheizung anschließen. In diesem Fall ist ein Pufferspeicher sinnvoll, der die beim Abbrennen des Holzes in einem Schwung anfallende Wärme bevorratet. Je schwerer der Ofen ist, umso besser kann er Wärme speichern und gleichmäßiger an den Raum abgeben, auch nachdem das Feuer erloschen ist. Das Gewicht des Ofens und seine Verkleidung mit Keramik, Naturstein oder Beton gibt Auskunft über diese Fähigkeiten.Kachelöfen und Scheitholzkessel – ausdauernd oder leistungsstark Den klassischen Kachelofen findet man in neuen Häusern nur noch selten. Das liegt an der langen Zeit, die der Ofen benötigt, um Wärme abzugeben und dann wieder abzukühlen. Bei Grundöfen dauert das mehrere Stunden, die heute meistens installierten Öfen mit einem Warmlufteinsatz sind da deutlich schneller. Ein Hingucker und Schmuckstück ist ein Kachelofen allemal. Mit moderner Steuerungstechnik und gekoppelt mit dem Heizungssystem kann er die Zentralheizung unterstützen oder sogar ersetzen. Den Platzbedarf sollte man vorab einplanen. Die Ausgaben auch. Diese betragen ab zirka 6.000 Euro, nach oben gibt es kaum Grenzen. Für den großen Heizbedarf sind Holzvergaserkessel gemacht. Meist im ländlichen Bereich eingesetzt, verarbeiten sie auch lange Holzscheite. Ist der Brennraum einmal gefüllt, steuert bei aktuellen Geräten eine Elektronik den Abbrand. Ein Pufferspeicher ist meist unabdingbar, um die große Wärmemenge zwischenzulagern. Dafür muss man je nach Witterung und Wärmebedarf nur alle paar Tage einheizen. Scheitholzkessel werden unter bestimmten Bedingungen vom Staat gefördert.

Die Heizlast eines Gebäudes gibt die Größe des benötigten Lagerraums vor. Als Faustregel gilt: pro 1 kW Heizlast = 0,9 m3 Lagerraum. Grundsätzlich ist ein rechteckiger Lagerraum zu empfehlen, der nicht breiter als zwei Meter ist. ÖkoFEN
Die Heizlast eines Gebäudes gibt die Größe des benötigten Lagerraums vor. Als Faustregel gilt: pro 1 kW Heizlast = 0,9 m³ Lagerraum. Grundsätzlich ist ein rechteckiger Lagerraum zu empfehlen, der nicht breiter als zwei Meter ist. Foto: ÖkoFEN

Pelletöfen

Pelletöfen sehen auf den ersten Blick aus wie ein normaler Kaminofen für Scheitholz. Verbrannt werden aber Pellets, die in einem Behälter bevorratet werden. Die schüttet man aus 15-kg-Säcken in den Ofen; automatische Fördersysteme sind selten. Je nach Fassungsvermögen und Heizbedarf muss man nach zirka 10 bis 50 Stunden Brenndauer neue Pellets nachfüllen. Es gibt die Öfen ebenfalls in zwei Varianten: Die luftgeführte, die allein den Aufstellraum heizt, sowie wassergeführte Öfen, die man auch an die zentrale Heizungsanlage anschließen kann. Im Gegensatz zu einem Kaminofen kann ein Pelletofen durch seine elektronische Steuerung und seine stufenlose Heizleistung auch als alleiniges Heizsystem dienen. Vorausgesetzt, seine Heizleistung reicht aus. Idealerweise werden dann ein Pufferspeicher und eine Solaranlage mit installiert, wer will schon im Hochsommer seine Wohnzimmer heizen, nur weil das Duschwasser kalt ist. Die Bedienung ist einfach: Am Thermostat oder sogar per Fernbedienung oder Mobiltelefon die gewünschte Raumtemperatur einstellen und schon zündet ein elektrisches Heizelement die zuvor von einer Förderschnecke in den Brennraum transportierten Pellets. Unterbrechungen des Brennvorgangs sind jederzeit möglich – entweder individuell oder regelmäßig mit einer Zeitschaltuhr. Notwendig ist allerdings eine 230-Volt-Steckdose in der Nähe des Ofens. Einige Modelle verfügen über ein Zusatzgebläse, das warme Luft über ein Kanalsystem in bis zu zwei Nebenräume befördert. Das Gebläse und die Pelletförderung verursachen Geräusche, wer empfindlich ist, sollte sich das Gerät seiner Wahl vorher anschauen und anhören. Pelletöfen mit Wassertasche werden ebenfalls vom Staat gefördert.

Die neue „KWB Classicfire Stückholzheizung“ vereint die klassische Holzheizung mit modernem Komfort. Der mit 185 Litern größte Scheitholz-Füllraum seiner Klasse ermöglicht lange Nachlege-Intervalle. Durch eine optionale automatische Zündung kann der Zeitpunkt des Anheizens individuell angegeben werden. KWB 70_74_E+Z_2015_Holzheizungen_cm.qxp_Layout 1 28.04.15 14:54 Seite 72
Die neue „KWB Classicfire Stückholzheizung“ vereint die klassische Holzheizung mit modernem Komfort. Der
mit 185 Litern größte Scheitholz-Füllraum seiner Klasse ermöglicht lange Nachlege-Intervalle. Durch eine
optionale automatische Zündung kann der Zeitpunkt des Anheizens individuell angegeben werden. Foto: KWB

Pelletkessel mit Brennwertnutzung

Pelletkessel sind die besonders komfortablen und leistungsstarken Vertreter unter den Holzheizungen. Dank vieler Leistungsstufen findet sich für jeden Heizbedarf – vom einzelnen Effizienzhaus bis zum großen Mehrfamilienhaus – das richtige Modell. Die Kessel werden immer kompakter und sie passen immer besser in Ecken, sodass auch in engen Kellern der Raumbedarf kein Hinderungsgrund sein muss. Die Anlieferung der Pellets erfolgt meist mit dem Silo-Lkw, der einen ganzen Jahresbedarf in den Lagerraum oder in ein Sacksilo bläst. Der Platzbedarf für die Lagerung beträgt im neuen Einfamilienhaus etwa circa sechs Quadratmeter. Eine Förderschnecke oder ein Saugsystem transportiert den Brennstoff von dort in den Kessel. Wer sich möglichst wenig kümmern will, sollte auf eine Automatik für die Reinigung der Wärmetauscher und die Ascheaustragung achten. Je nach Heizleistung und -dauer muss die Asche dann nur alle paar Wochen entsorgt werden. Einige wenige Modelle sind mit Brennwertnutzung, ähnlich wie bei einem modernen Gas- oder Ölkessel, erhältlich. Das steigert den Wirkungsgrad der Heizung noch einmal deutlich und wird besonders großzügig vom Staat gefördert. Aber auch normale Pelletkessel erhalten eine ansehnliche finanzielle Förderung, die den höheren Anschaffungspreis in etwa ausgleicht. Ob ein Pufferspeicher nötig ist, dann am besten mit Anschlussmöglichkeit für eine Solaranlage, richtet sich nach der Auslegung der Anlage. Hier sollte man sich auf die Empfehlung eines erfahrenen Installationsbetriebes verlassen.

Dieser Niedertemperaturkessel ist speziell geeignet für kleinsten Platz, z.B für Häuser ohne Keller. Mit Wartungsöffnungen vorne und oben, Schamottebrennkammer, Lamdasonde und automatische Ascheladen-Füllstandsmeldung am Display. Hargassner
Dieser Niedertemperaturkessel ist speziell geeignet für kleinsten Platz, z.B für Häuser ohne Keller. Mit Wartungsöffnungen vorne und oben, Schamottebrennkammer, Lamdasonde und automatische Ascheladen-Füllstandsmeldung am Display. Foto: Hargassner

Alte Öfen austauschen

Ende 2014 ist die Frist zur Nachrüstung von Öfen abgelaufen, die die Anforderungen der geltenden Bundesimmissionsschutzverordnung nicht einhalten und zwischen 1950 und 1974 eingebaut wurden, beziehungsweise deren Alter nicht mehr feststellbar ist. Denn spätestens bis Ende 2013 mussten ihre Besitzer nachweisen, dass der Ofen nicht mehr als 0,15 Gramm Staub und 4 Gramm Kohlenmonoxid je Kubikmeter Abgas ausstößt. Entweder mit dem Protokoll einer Prüfstandsmessung des Herstellers oder durch eine kostenpflichtige Messung des Schornsteinfegers. Am einfachsten ist der Nachweis über das Typenschild, dazu hat der Industrieverband HKI eine Datenbank ins Internet gestellt, die Angaben zu mehr als 5.000 Modellen enthält. Allerdings sind fast nur Öfen gelistet, die jünger als 1995 sind, vorher wurden keine Messungen für Staubemissionen gemacht. Meistens lohnt es sich nicht, einen Staubabscheider nachzurüsten, um die Werte doch noch einzuhalten. Denn die sind mit rund 1.500 Euro ziemlich teuer, wenn der Einbau in das Ofenrohr überhaupt möglich ist. Zudem verbrennen moderne Kaminöfen das Holz viel effektiver und sauberer, sodass der Verbrauch sinkt und die Umwelt geschont wird.

Flexible Gewebesilos für die platzsparende Pelletlagerung. Eine integrierte Förderschnecke bewerkstelligt den Transport. ÖkoFEN
Flexible Gewebesilos für die platzsparende Pelletlagerung. Eine integrierte Förderschnecke bewerkstelligt den Transport. Foto: ÖkoFEN