Natürliche Alternative: Heizen mit Holz und Pellets.

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Heizen mit Holz und Pellets
Foto: Solvis

Heizen mit Holz ist alles andere als altmodisch. Kombiniert mit effizienter Heiztechnik hat der nachwachsende Brennstoff eine Reihe guter Argumente auf seiner Seite.

Waren Sägespäne aus der Holzindustrie vor 20 Jahren noch Abfall, der entsorgt werden musste, entsteht daraus heute in Form vom Holzpellets ein effizienter, nahezu CO2-neutraler Energieträger. Denn Holz verbrennt klimaverträglich. Es emittiert bei der Verbrennung nicht mehr Kohlendioxid (CO2) als es während der Wachstumsphase durch Photosynthese gebunden hat und bei einer natürlichen Verrottung ohnehin wieder freigesetzt hätte. Hinzu kommt: Holz wächst nach und dazu noch im eigenen Lande. Das gibt vielen Hausbesitzern, die mit Pellets heizen, ein beruhigendes Gefühl der Unabhängigkeit.

Genormte Qualität

Bei der Pelletherstellung wird das Rest- und Abfallholz gut getrocknet und unter hohem Druck zylinderförmig gepresst. Um eine störungsfreie, schadstoffarme und effiziente Verbrennung zu gewährleisten, müssen die Pellets eine einheitliche Qualität aufweisen. Festigkeit, Abrieb und Abmessungen sind nur einige der Kriterien, die bei der Herstellung beachtet werden müssen. Sicherheit für den Betreiber bieten Pellets mit dem Gütezeichen „ENplus“. Es bescheinigt eine neutrale Qualitätsüberwachung von der Produktion bis hin zur Anlieferung. Ein Kilogramm Qualitätspellets hat in etwa den Heizwert eines halben Liters Heizöl.

Mit einer Aufstellfläche von nur etwa 70 x 70 cm hat der neue Pellet-Brennwertkessel „Pellematic Condens“ nur die Ausmaße eines größeren Kühlschranks. Foto: Ökofen
Mit einer Aufstellfläche von nur etwa 70 x 70 cm hat der neue Pellet-Brennwertkessel „Pellematic Condens“ nur die Ausmaße eines größeren Kühlschranks. Foto: Ökofen

Automatischer Betrieb

Wie eine Ölheizung braucht eine Holzpellet-Anlage ein Brennstofflager mit einem von außen zugänglichen Einfüllstutzen und einer Abluftöffnung. Es muss trocken sein und sollte das 1- bis 1,5-fache des Jahresbedarfs fassen können. Die automatische Beschickung ermöglicht den vollautomatischen Betrieb des Pelletkessels. Eine elektronische Kessel­regelung sorgt dafür, dass die für eine bestimmte Heizleistung erforderliche Pelletmenge in den Brennraum transportiert wird. Wie eine moderne Öl- oder Gasheizung richtet sie sich dabei nach der Außentemperatur und dem aktuellen Wärmebedarf. Inzwischen ist auch bereits ein Pellet-Brennwertkessel auf dem Markt, der nach Angaben des Herstellers in jedem Wärmeverteilsystem, unabhängig von den Rücklauftemperaturen laufen kann. Sein Wirkungsgrad soll um rund zehn Prozent höher liegen als der von gängigen Heizwertgeräten. Bei jedem Pelletkessel muss allerdings der Aschekasten während der Heizsaison mehrmals manuell entleert werden. Pro Tonne verbrannter Pellets fallen etwa 5 kg Asche an, die man entweder über den Hausmüll entsorgt oder als Dünger im Garten verwenden kann. Wer es bequem mag, sollte bei der Auswahl des Heizkessels auf ein großes Fassungsvermögen des Asche­kastens achten.

Niedrige Emissionswerte

Verbrennungsüberwachung, automatische Brennstoffzufuhr und eine intelligente Verbrennungsluftregelung gehören zu jedem modernen Holzheizungssystem. Das sorgt für niedrige Emissionswerte und geringen Brennstoffverbrauch. So reichen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus vier bis sechs Tonnen Holzpellets im Jahr, um den Wärmebedarf zu decken. Zudem erfüllen Scheitholz- und Pelletheizanlagen deutscher Hersteller nach Auskunft des Bundesindustrieverban­des Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) die strengen Emissionsvorgaben für kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) ohne zusätzliche Filter-Nachrüstung. Da moderne Pelletskessel ihre Leistung gleitend dem Bedarf anpassen, ist ein Pufferspeicher zur Bevor­ratung überschüssiger Wärme nicht unbedingt erforderlich. Aber gerade in der Übergangszeit hat er Vorteile, weil dann der Kessel auch bei geringem Bedarf im effizienten und emissionsarmen Volllast­betrieb laufen kann und die Anzahl der Brennerstarts verringert wird. Außerdem ermöglicht ein Kombi-Pufferspeicher die Einbindung einer Solarthermieanlage. Bei einem entsprechenden Heizverteil­system schafft diese es an schönen Tagen häufig auch alleine, den Warmwasser- und Heizwärmebedarf zu decken.

Der Primärofen „ixpower“ bietet modernsten Bedienkomfort. Mit einer integrierten Sicherheitsreserve lässt sich zudem ein Stromausfall bis zu 24 Stunden überbrücken. Foto: Wodtke
Der Primärofen „ixpower“ bietet  modernsten Bedienkomfort. Mit einer integrierten Sicherheitsreserve lässt sich zudem ein Stromausfall bis zu 24 Stunden überbrücken. Foto: Wodtke

Technik fürs Auge

Die solare Unterstützung ist erst recht sinnvoll, wenn der Heizkessel im Wohnzimmer steht: Sogenannte Pellet-Primär­öfen können über einen integrierten Wasserwärmetauscher gut gedämmte Häuser komplett mit Heizwärme versorgen. Um eine Überhitzung des Aufstellortes zu vermeiden, sollte der wasserführende Ofen mindestens 70 Prozent seiner Wärme an das Heizsystem abgeben. Im Gegensatz zum nüchternen Kessel im Keller geben Pellet-Primäröfen auch den Blick frei auf den Feuerraum und die Flammen – die allerdings nicht so spektakulär lodern wie bei einem Kamin- oder Kachelofen, der mit Stückholz beheizt wird. Mit Holzscheiten heizen Wer noch zögert, seinen gut funktionierenden Gas- oder Ölheizkessel jetzt schon auszutauschen und günstig an Scheitholz kommt, kann seine Heizung mit einem Holzvergaser-Beistellkessel entlasten und seine Heizkosten damit deutlich reduzieren. Moderne Holzvergaserkessel arbeiten sehr sauber und erreichen hohe Nutzungsgrade. Normalerweise reicht zweimaliges Nachlegen von Brennstoff täglich aus, um den angeschlossenen Pufferspeicher aufzuheizen. Hat man einmal keine Zeit, die Holzheizung in Betrieb zu nehmen, sorgt die Regelung dafür, dass der konventionelle Heizkessel den Speicher auflädt – damit es die Bewohner am Abend gemütlich warm haben.

Weitere Infos:

Finanzierung & Förderung

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert den Einbau von Pelletkesseln im Altbau mit mindestens 3.000 Euro bzw. 3.500 Euro für einen Kessel mit Pufferspeicher. Pellet-Brennwertkessel werden im Altbau mit 4.500 Euro (5.250 Euro mit Pufferspeicher) und mit 3.000 Euro im Neubau (3.500 Euro mit Pufferspeicher) bezuschusst. Bei der Installation eines Pelletofens mit Wassertaschen im Altbau winken 2.000 Euro. Verfügt das Modell über eine Partikelabscheidung beträgt der Zuschuss im Altbau 3.000 Euro und im Neubau 2.000 Euro. Für einen Scheitholzvergaserkessel mit Pufferspeicher im Bestand gibt es pauschal 2.000 Euro. Der Zuschuss erhöht sich auf 3.000 Euro, wenn eine Einrichtung zur Partikelabscheidung besteht. In diesem Fall gibt es auch bei einer Installation im Neubau einen Zuschuss von 2.000 Euro.

Mit einer Brennstofffüllung spendet der neue Pelletofen „Maggie“ zwischen 11 und 33 Stunden wohlige Wärme. Er kann per Smartphone auch von Ferne gesteuert werden. Foto: MCZ
Mit einer Brennstofffüllung spendet der neue Pelletofen „Maggie“ zwischen 11 und 33 Stunden wohlige Wärme.
Er kann per Smartphone auch von Ferne gesteuert werden. Foto: MCZ

Was kostet das?

Pellet-Zentralheizung (vollautomatisch mit Beschi-ck­ungsvorrichtung und Lager): ab ca. 12.000 Euro
Pellet-Einzelofen (zur Aufstellung im Wohnbereich): ab 2.000 Euro
Holzvergaserkessel (modulie­rend mit automatischer Reinigung und Entaschung): 4.000 bis 8.000 Euro, mit Speicher: 8.000 bis 15.000 Euro

Statement

Von Dr. Lothar Breidenbach ist Geschäftsführer Technik des Bundesindustrie- verbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), Köln.

Trotz der steigenden Anzahl an Holzheizungen braucht man sich um den heimischen Wald keine Sorgen zu machen. Mit über 3,4 Milliarden Kubikmetern ist er nicht nur die größte Holzreserve Mitteleuropas, sondern auch die am schnellsten nachwachsende Ressource. Zudem ist in Deutschland eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder zum Schutz vor einer Übernutzung gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus ernten wir zurzeit noch nicht einmal den jährlichen Zuwachs des Waldes. Selbst bei einem harten Winter und zunehmender Nachfrage sind keine Versorgungsengpässe absehbar. Zudem werden Pellets zu 90 Prozent aus Restholz und Sägespänen hergestellt, also Abfallprodukten der deutschen Sägeindustrie und holzverarbeitenden Branchen. Da der Energieträger Holz überwiegend aus heimischer Produktion stammt, entfallen zudem lange Lieferwege. Das reduziert den Primärenergiebedarf dieser Energiequelle gegenüber fossilen Systemen um bis zu 80 Prozent.