Solaranlage und Gas-Brennwertkessel senken Heizkosten.

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Wenn man einen Gas-Brennwertkessel als Heizung hat, braucht der Unterstützung durch eine Solaranlage. Und da sollte es nicht die Minimallösung sein, denn die Sonne kann die Heizkosten deutlich drücken.
Foto: Paradigma

Entscheidet man sich für einen Gas-Brennwertkessel als Heizung, braucht der Unterstützung durch eine Solaranlage. Und da sollte es nicht die Minimallösung sein, denn die Sonne kann die Heizkosten deutlich drücken.

Brennwertkessel sind ein gutes Beispiel für eine Technik, die an ihre Grenzen gelangt ist – zur Freude ihrer Entwickler. Heute holen sie aus Öl oder Gas fast alles an ­Energie, was drin ist, laut den Herstellern werden Normnutzungsgrade von 99 Prozent erreicht. Sie verwerten den Energieträger nicht nur in der Brennkammer, sondern entziehen ­darüber hinaus noch den heißen, wasserdampfhaltigen Abgasen Wärme. Die müssen zu diesem Zweck einen Wärmetauscher passieren, in dem das von den Heizkörpern und Heizflächen zurückströmende, abgekühlte Heizwasser in Richtung Kessel fließt. Es nimmt die Abgaswärme auf, der Brenner wird entlastet.

Sonnenernte

So effizient die Technik damit ist, für den Neubau reicht sie alleine schon lange nicht mehr. Fossil ist fossil, ob Gas oder Öl, es handelt sich um teure und knappe Energieträger, deren ­Verbrauch die Atmosphäre mit dem Klimagas CO2 anreichert. Seit Anfang 2009 verlangt das EEWärmeG oder „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“, dass ein Brennwertkessel solare und damit saubere und CO2-freie Verstärkung bekommt: eine thermische Solaranlage, die übers Jahr mindestens 15 Prozent des Energiebedarfs decken muss. Die besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten, den Kollektoren und dem Speicher. Die Kollektoren sind flache Glaskästen oder gläserne Vakuumröhren, innen mit den charakteristischen, dunkelblauen Absorberblechen versehen. Unter ihnen sind Rohre befestigt, in denen eine Wärmeträgerflüssigkeit aus Wasser und Frostschutzmittel kursiert. Der Wärmeträger heizt sich auf, nicht nur bei klarem, sondern bereits bei trübem Himmel, und wird über isolierte Leitungen in Keller oder Technikraum transportiert, zum Solarspeicher. Er bringt dessen Wasser durch die Rohrwandungen hindurch auf Temperatur – und zurück geht’s in die Kollektoren, wieder um etliche Grad kälter. Sobald die Kraft der Sonne nicht mehr ausreicht, springt eine andere Heizquelle ein. Eben zum Beispiel der Brennwertkessel, dessen Stärken Schnelligkeit und dabei fein modulierbare Leistung sind: sodass er die Speichertemperatur immer auf dem gewünschten Niveau halten kann. Eine Regelung sorgt dafür, dass erst soviel Gratisenergie wie möglich geerntet wird, bevor er in Aktion tritt. Notfalls kann er alleine die Wärme bereitstellen, andererseits nimmt er es auch nicht übel, wenn er monatelang gar nicht gefordert ist.

Heizt kräftig mit

Üblich war in den Kindertagen der Solarthermie die Beschränkung auf die Trinkwassererwärmung, heute aber empfehlen Fachleute die solare Heizungsunterstützung. Anstelle eines Frischwasserspeichers wird ein Pufferspeicher geladen. Aus dem wird der Heizkreis bedient und zugleich verfügt er über einen innenliegenden Boiler oder – besser – über eine Frischwasserstation, die nach Anforderung sekundenschnell warmes Trinkwasser produziert, hygienisch und legionellensicher. Heizungsunterstützung erfordert eine größere Kollektorfläche und ein größeres Speichervolumen als die Trinkwasserbereitung, steuert aber anstatt nur circa 15 Prozent bis zu 30 Prozent zur Bedarfsdeckung bei – ohne Betriebskosten.

Warmwasserbereitung durch Flachkollektoren.
Findet lediglich Warmwasserbereitung statt, reichen Flachkollektoren mit zusammen vier bis sechs Quadratmetern
Fläche.Foto: Vaillant

Ins Sparen investieren

Auch die Solarentwickler und -architekten waren nicht faul, können mit vertretbaren Mitteln noch Deckungsraten von bis zu 70 Prozent hinbekommen, unter Einsatz von großen Kollektorfeldern und Großspeichern, die zwischen 5.000 und 10.000 Litern fassen. Die kosten natürlich etwas mehr. Doch die XXL-Anlage sei klar die bessere Alterversorgung, meint Matthias Hüttmann von der dgs, der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.. Denn in Zukunft steige die Bedeutung der Einsparung von Netzstrom, Öl oder Gas. Und da die Zeiten der die ganze Dachfläche einnehmenden Photovoltaikanlagen vorbei sind, gibt es dort oben auch keinen solaren Verdrängungswettbewerb mehr und damit keine Platzprobleme.

Infos:

Kosten:
Gas-Brennwertkessel: 3.000 bis 4.000 Euro
Solarthermieanlage zur Trinkwassererwärmung: ca. 4.000 Euro
Solarthermieanlage zur Heizungsunterstützung: 8.000 bis 9.000 Euro
XXL-Anlage (für Deckungsraten über 50 %): ca. 20.000 Euro Wärmemengenzähler (empfehlenswert): ca. 200 Euro
Wartungsvertrag (empfehlenswert): ca. 100 Euro/Jahr

Planung:
Dach: Die Kollektoren sollten nach Süden ausgerichtet sein, Abweichungen von bis zu 30 Grad wirken sich jedoch nur leicht ertragsmindernd aus; bei Heizungsunterstützung sollte die Dachneigung 45° bis 60° betragen, um die Wintersonne einzufangen.
Kollektoren: Kollektorfläche ca. 4 bis 6 qm für Trinkwassererwärmung, ca. 10 bis15 qm für Heizungsunterstützung; Indach-Montage der Kollektoren spart Dacheindeckung, minimiert Wärmeverluste; Vakuumröhren-Kollektoren, effizienter, aber ca. 30 % teurer, sollten zum Einsatz kommen, wo besonnte Dachfläche knapp ist.

Speicher: Es sollte ein Schichtenladespeicher sein, mit 750 ­– 1.000 l Fassungsvermögen (Heizungsunterstützung) ­– die Wärme steht sofort zur Verfügung, Verluste sind geringer; der Pufferspeicher mit Frischwasserstation ist dem ­klassischen Kombispeicher (mit integr. Boiler) überlegen, kann im Sommer auf 95 °C hochgeheizt werden.
Regelung: Wärmemengenzähler und Temperaturfühler ­dienen der Funktions- und Ertragsüberwachung, die man auch per Smartphone oder Tablet vornehmen kann.

Tipps:
Schließt man Spül- und Waschmaschine (mit Warmwasseranschluss) ans Warmwassernetz an, spart man Strom. Miele baut bisher als einziger Hersteller einen mit Solarwärme zu ­betreibenden Wäschetrockner. Es kann außerdem von Vorteil sein, den Heizkessel im Sommer ­manuell auszuschalten.
Förderung:
Mit einer Solarwärmeanlage sorgt man für einen niedrigen CO2-Ausstoß seines Hauses. Sofern das Gebäude mit dieser und anderen Maßnahmen den Standard eines „KfW-Effizienzhauses“ erreicht, honoriert die KfW das mit einem zinsgünstigen Kredit aus ihrem Programm 153 Energieeffizient Bauen. Zuschüsse vom BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, gibt es im Neubau lediglich für große Anlagen mit Kollektorflächen von 20 bis 100 m2, und zwar 75 €/m2 bei Warmwasserbereitung und 150 €/m2 bei Heizungsunterstützung, wahlweise eine ertragsabhängige Förderung. Dafür fördert die Ethikbank Solarthermieanlagen üblicher Größe mit ihrem ÖkoBaukredit: Wer nachweislich regenerative Energien einsetzt, erhält einen günstigeren Zinssatz.

Gütezeichen und Label
Die Komponenten der Solaranlage sollten das Qualitätszeichen „Solar Keymark“ tragen, es ist außerdem i.d.R. Förderbedingung. Die Montage sollte wenn möglich durch einen nach RAL-GZ 966 zertifizierten Betrieb erfolgen. Ab dem 26. September müssen Heizungsanlagen genauso wie Kühlschränke, Fernseher oder Waschmaschinen ihr EU-Effizienzlabel tragen, auch ErP-Label ­genannt (ErP = „Energy related Products“). Für Verbundanlagen, wie die Kombination Brennwertkessel plus Solar, wird es indivi­duell aus den Daten der einzelnen Komponenten erstellt. Solarkollektoren jedoch haben kein Label: Da sie weder Strom noch Öl noch Gas verbrauchen, waren sie für die EU-Bürokraten nicht interessant, sind also nicht zu schlecht für eine eigene Kennzeichnung, sondern zu gut.

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