Tipps und Tricks für angenehme Heizungswärme.

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Viessmann
Foto: Viessmann

Wie angenehm und behaglich wir Heizungswärme in Wohnräumen empfinden, hängt ganz entscheidend von den Heizkörpern ab, ihrer Bauart, Größe und Platzierung.

Sind die alten Heizkörper noch up to date? Diese Frage stellen sich Altbau-Besitzer insbesondere dann, wenn sie einen Austausch ihres Heizkessels planen. Beantworten kann sie letztlich nur ein Heizungsfachmann vor Ort. Denn die Entscheidung hängt sowohl von den vorhandenen Komponenten des Heizsystems ab als auch vom energetischen Zustand des Hauses. Während im Neubau Fußbodenheizungen fast schon die Regel sind und kaum kostspieliger als eine Heizkörper-Ausstattung, findet man in vielen Altbauten noch alte Guss-Radiatoren, die auf die großen Wassermengen und hohen Vorlauftemperaturen älterer Heizsysteme ausgelegt sind.

Fürs Auge und fürs Wohlbefinden

Ein neuer Brennwertkessel bedeutet nicht zwangsläufig das sofortige Aus für die alten Heizkörper. Auch ein neuer Pelletkessel kommt mit seinen höheren Vorlauftemperaturen ganz gut damit zurecht. Jedoch schon kostengünstige Plattenheizkörper bieten einen deutlich angenehmeren Anblick als die klobigen alten Modelle. Teurere Stahlrohr-Radiatoren oder stilvolle Heizwände können sogar gestalterische Akzente im Raum setzen und oftmals z. B. als Handtuchwärmer im Bad einen Zusatznutzen erfüllen. Zudem ist ein Heizkörper-Austausch heute meist schnell erledigt. Die Anschlüsse vieler Modelle sind exakt auf die Vor- und Rücklauf-Abstände alter DIN-Radiatoren abgestimmt. Das macht die Montage kostengünstig und hält die Schmutz- und Staubbelastung niedrig. Das Wichtigste aber: Moderne Heizkörper sind auf heutige Heizsysteme mit ihren niedrigeren Heizwassertemperaturen von 35 °C bis 55 °C abgestimmt. Um mit diesem Temperaturniveau auch an kalten Tagen thermische Behaglichkeit in den Räumen zu schaffen, sind die größeren Wärmeabgabeflächen von Niedertemperatur-Heizkörpern vorteilhaft. Sie übertragen die Wärme je nach Bauart zu einem hohen Anteil (ca. 30 bis 70 Prozent) als Infrarot-Strahlung – wie ein Kachelofen.

Wärmestrahlung und Konvektion

Wärmestrahlung empfinden wir als besonders behaglich. Je glatter und größer die zum Raum gerichtete Oberfläche des Heizkörpers und je schmaler der Korpus, desto höher wird sein Strahlungsanteil sein. Je tiefer hingegen ein Wärmekörper gebaut ist, je mehr Lamellen und Konvektionsbleche er aufweist, desto mehr Wärme gibt er durch Konvektion ab. Bei dieser Art der Wärmeabgabe wird die am Heizkörper vorbeiströmende Raumluft erwärmt. Sie steigt nach oben, gibt dabei ihre Wärme ab und strömt abgekühlt zurück zum Heizkörper. Konvektionswärme empfinden wir aufgrund der ständigen Luftbewegung eher als unangenehm, zumal mit der Raumluft auch Hausstaub aufgewirbelt wird. Aber – Konvektoren sind leistungsstark und spenden sofort Wärme, wie ein Heizlüfter. Daher werden sie auch gerne vor großen Fensterfronten eingesetzt. Hier kann ihr Warmluftstrom die Kälteabstrahlung des Fensters abmildern.

Flächenheizungen für Boden und Wand

Im Neubau sowie bei größeren Modernisierungen sollte man jedoch über eine Flächenheizung nachdenken, vor allem wenn erneuerbare Wärmequellen mit im Spiel sind. Denn Heizungen, die das vergleichsweise niedrige Temperaturniveau von Sonnen-, Umwelt- oder Erdwärme nutzen, arbeiten am effizientesten mit Vorlauftemperaturen von nur 35 °C und weniger. Und je niedriger die Heizwassertemperaturen des Systems, desto größere Wärme übertragende Flächen sollte ein Raum haben. Speziell für die Sanierung bietet der Markt inzwischen eine breite Palette an Flächentemperiersystemen für den Boden an, die teilweise kaum mehr als 2 bis 3 cm Aufbauhöhe beanspruchen. Die Heizelemente werden auf dem Estrich ausgelegt und mit speziellem Fließmörtel vergossen. Diese Systeme haben naturgemäß eine geringere Speichermasse, dafür aber kürzere Aufheiz- und Reaktionszeiten als ein gängiger Heizestrich im Neubau. Alternativ kann eine Dünnschicht-Flächenheizung auch „trocken“ eingebaut werden. Der entscheidende Vorteil dieser Systeme liegt vor allem in einer kurzen Bauphase, da Trocknungszeiten entfallen. Im Gegensatz zur Fußbodenheizung ist eine Wandflächenheizung bei der Modernisierung meist problemlos zu realisieren. In puncto Behaglichkeit und Energieeinsparung weist sie die gleichen positiven Eigenschaften auf wie eine Fußbodenheizung. Der Flächenbedarf einer Wandheizung ist abhängig vom Zustand des jeweiligen Gebäudes und liegt in der Regel zwischen 25 Prozent und 50 Prozent der Wohnfläche. Bei der Renovierung von Altbauten kann unter Umständen eine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich werden. Auch eine Wandheizung kann trocken oder nass verlegt werden. Coole Sache Ein überzeugendes Argument für Flächenheizungen in Verbindung mit einer Wärmepumpe ist die Möglichkeit der passiven Raumkühlung im Sommer. Sogenannte reversible Wärmepumpen sammeln über die Flächenheizung die überflüssigen Grade und schicken sie nach draußen bzw. zurück ins Erdreich. Eine Klimaanlage, die nur minimale Betriebskosten verursacht, aber gut geplant sein will.

Ist die vorhandene Bodenfläche zu gering, um die benötigte Heizlast zu erreichen, hilft eine Kombination von Fußbodenheizung und Wandsystem. Foto: Viega
Ist die vorhandene Bodenfläche zu gering, um die benötigte Heizlast zu erreichen, hilft eine Kombination von Fußbodenheizung und Wandsystem. Foto: Viega

Weitere Infos

Aufgepasst!
Richtiges Heizen kann auf Dauer eine Menge Geld sparen. Dabei leisten auch moderne Thermostatventile einen wichtigen Beitrag. Der häufigste Fehler bei der Nutzung von Thermostatventilen: „Viel hilft viel“ – schnell mal voll aufdrehen. So wird es schnell zu warm, der Regler muss wieder heruntergedreht werden, doch viel Energie ist da bereits verbraucht. Das eigentliche Prinzip eines Thermostatventils besteht darin, die am Reglergriff einmal eingestellte Temperatur präzise und dauerhaft zu halten – zum Beispiel auf „3″ mit rund 20 °C konstant zu bleiben. Nimmt der im Griff enthaltene thermostatische Fühler wahr, dass es in seiner Umgebung geringfügig kälter wird, öffnet er das Ventil automatisch und lässt Heizwasser nachlaufen. Wird es hingegen wärmer, etwa durch Sonneneinstrahlung, Lampen oder Kaminfeuer, stoppt der Thermostat die Zufuhr. Besonders exakt steuern moderne elektronische Thermostate den Wasserdurchfluss im Heizkörper. Dazu reagieren sie schneller auf Einstellungsänderungen als herkömmliche Regler. Dazu bieten sie die Möglichkeit, Aufheiz- und Absenkzeiten entsprechend dem individuellen Tagesablauf zu programmieren – was nach Herstellerangaben bis zu 23 Prozent Energie einsparen kann.

Praxistipp

Elektrische Heiz- matten liegen unmittelbar unter den Fliesen. Mit der dazugehörenden Regelung lassen sich die Heizzeiten genau programmieren. Foto: AEG
Elektrische Heizmatten liegen unmittelbar unter den Fliesen. Mit der dazugehörenden Regelung lassen sich die Heizzeiten genau programmieren. Foto: AEG

Im Bad sind Heizkörper-Modelle sehr komfortabel, die neben dem Anschluss an die Heizanlage auch über eine Elektroheizmöglichkeit verfügen. So können an kühlen Tagen außerhalb der Heizsaison sowohl das Bad erwärmt als auch die Handtücher getrocknet werden. In Bädern ohne Fußbodenheizung sind elektrisch betriebene Heizmatten eine weitere Möglichkeit, den Boden an kühleren Sommertagen, aber auch im Winter angenehm zu temperieren. Sie werden bei der Bad-Modernisierung auf dem Estrich in einer dünnen Kleberschicht direkt unter den Fliesen verlegt, sodass die Bodenerhöhung minimal ausfällt. Mit der dazugehörigen Regelung lassen sich die Temperaturen gradgenau einstellen und der Heizbetrieb auf die Hauptnutzungszeiten im Bad beschränken – damit es bei der jährlichen Stromabrechnung kein böses Erwachen gibt.

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