Mit intelligenter Technik ein helles Haus.

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Mit intelligenter Technik ein helles Haus.
Foto: Z. Brown/Schwörer Haus

Technik, die das Haus schlau macht, gibt es schon länger, doch erst seitdem sich zeigt, wie sich mit ihr Energie sparen lässt, stößt sie auf breiteres Interesse. Und so bieten Haushersteller zunehmend die Option „smart” mit an.

Typisch Werner Sobek. Der Stararchitekt verpasst seinen Entwürfen anstatt Namen auf den ersten Blick kryptische Kürzel. „B 10” ist ein länglicher Quader mit Glasfront, den er für die Firma SchwörerHaus erdacht hat. Und er steht – im Moment – am Bruckmannweg 10 in Stuttgart, unweit der berühmten Weißenhofsiedlung, einem frühen Laboratorium der Architekten der Klassischen Moderne. Vorerst selber als ein Laboratorium, in und mit dem das Wohnen, nein mehr noch, das Leben der Zukunft erkundet werden soll. Weil aber unsere moderne Lebensform mehr mobil als sesshaft und viel zu energieintensiv ist, wurde B 10 als Energie-Plus-Haus konzipiert. Mit seinen Photovoltaik-Elementen auf dem Dach soll es CO2-frei doppelt so viele Kilowattstunden erzeugen, wie seine Bewohner konsumieren, der Überschuss soll in zwei Elektroautos fließen sowie in das benachbarte Weißenhofmuseum.

Lernfähige Technik

Planer von Plus-Häusern wissen: Sonnenstrom en masse zu erzeugen ist kinderleicht – es kommt darauf an, ihn intelligent zu verteilen, zu nutzen und zwischenzuspeichern. Diese Aufgaben übernimmt bei B 10 die Hausautomation, entwickelt vom Stuttgarter Unternehmen alphaEOS. Die selbstlernende Software kann sich auf den Tagesrhythmus der Bewohner einstellen und ihnen Strom für Hausgeräte, Licht, Wärme und für die Elektroautos auf Punkt zur Verfügung stellen, dann, wenn sie ihn brauchen; den Rest gibt sie nach draußen weiter. Dabei kann sie flexibel auf Abweichungen reagieren. Jonathan Busse, Vorstand von alphaEOS: „Wenn ich überstürzt aufbrechen muss, sorgt das System automatisch dafür, dass alle Türen und Fenster geschlossen sind, der Herd ausgeschaltet ist und während meiner Abwesenheit möglichst wenig verbraucht wird.” Gesteuert wird alles mittels einer App, von Handy oder Tablet aus.

Steuerung mit dem Touchscreen.
Über den Touchscreen im Flur lassen sich Heizung, Verschattung usw. Raum für Raum regeln. Foto: FingerHaus

Ladenhüter Smart Home?

Smarte Gebäudetechnik – Technik, die lange kaum jemanden begeisterte. Zum einen war intelligente Vernetzung nicht ganz billig. Hausautomation heißt ja, dass Daten sammelnde Komponenten, wie Temperaturfühler oder Bewegungsmelder, mit ausführenden Geräten, wie Heizung, Rollläden, Lichtschaltern, verbunden werden („Sensoren” mit „Aktoren”), anfangs nur mit einer eigenen Ringleitung möglich, zusätzlich zur ­herkömmlichen Elektroinstallation erforderlich. Da sind schnell 10.000 Euro oder mehr fällig. Außerdem sprachen die einschlägigen Werbebotschaften nur wenige Häuslebauer an – Musik und Licht, die dem Bewohner von Raum zu Raum folgen, der Kühlschrank, der im Supermarkt nachbestellt, sobald Milch und Eier knapp werden. Hinzu kam eine unnötig komplizierte Bedienung. Als jedoch die Energieeffizienz stärker in den Fokus rückte, konnte das schlaue Haus punkten, mit sinnvollen Funktionen: Energieströme lenken, Verschwendung stoppen, und wenn es nur das Schließen des Heizkörperventils im Zimmer mit gekippten Fenstern ist. Neben die kostspieligen drahtgebundenen Systeme traten die weitaus günstigeren drahtlosen, Teillösungen sind ab 400 Euro zu haben, und last, but not least sorgten die eigentlich für Tablets und Smartphones entwickelten Benutzeroberflächen endlich für ein einfaches Handling (weitere Infos: ­www.smarthome-deutschland.de). Die Hersteller der Häuser, die wir im Folgenden vorstellen, setzen auf unterschiedliche Varianten der Automation, im Vordergrund steht aber immer der Komfort, im Bedienen und Wohnen. Keine Zukunftsmusik, alle ab sofort erhältlich. Ausgenommen B 10. Es dient in nächster Zeit als Forschungsobjekt und als Arbeitsplatz von Forschern, ist Prototyp, der zeigen soll, wo es hingehen könnte. Da reicht eine Typenbezeichnung.

Bedienelemente der Beleuchtung.
Vorausschauende App: Mit Einsetzen der Dunkelheit drängeln sich die Bedienelemente der Beleuchtung in den Vordergrund. Foto: alphaEOS

Hausbeispiele

Haus, Büro, Kraftwerk

Dieser Hersteller setzt auf den bekannten, in Europa führenden KNX-Standard der Hausautomation, und zwar in der drahtgebundenen Variante. Die KNX-Leitung kann alle technischen Komponenten im Haus mit einbeziehen, ob Datensammler („Sensoren”) oder Schalter beziehungsweise die betreffenden, ausführenden Geräte („Aktoren”). Also alles vom Temperaturfühler oder Bewegungsmelder über den PC, das Telefon, die Solarwärmenanlage, die Solarstromanlage bis zur Beleuchtung oder Medientechnik. Im Energie-Plus-Haus der Familie Walz-Dieterich wird der Sonnenstrom automatisch vor allem zum Betrieb von Lüftungsanlage und Wärmepumpe genutzt. Bedient werden kann die Regelung unter anderem vom Touchscreen in der Küche aus.

Dieser Hersteller setzt auf den bekannten, in Europa führenden KNX-Standard der Hausautomation, und zwar in der drahtgebundenen Variante.
Foto: Fertighaus Weiss

Hausbezeichnung: Kundenhaus Walz
Bauweise: Holztafelbauweise
Hausautomation: KNX-Bussystem, drahtgebunden
Dach: Satteldach
Wohnfläche: UG 50,16 qm, EG 77,43 qm, DG 61,25 qm
Abmessungen: 10,62 m x 9,42 m
Preis: 388.000 Euro (inkl. Keller, EG und DG schlüsselfertig, Solarthermie und Photovoltaik nicht im Preis enthalten)
Hersteller: Fertighaus Weiss GmbH

Smarte Stadtvilla

Diese Stadtvilla in Massivbauweise ist mit dem Smart-Home-System Joonior von Telefunken zu bekommen. Das die bekannten Komfort-Funk­tionen umfasst, wie Lichtsteuerung, Heizungssteuerung, Steuerung der Verschattung, deren Zusammenspiel jedoch eine ebenso große wie positive Auswirkung auf den Energieverbrauch hat. Das System auf Funkbasis koordiniert unter Nutzung des Wetterberichts den Betrieb von Haushaltsgeräten und Photovoltaik-Anlage, mit dem Ziel, den Eigenverbrauch des Solarstroms so hoch wie möglich zu treiben und damit die Stromrechung so niedrig wie möglich zu halten. Zu Urlaubszeiten kann die Technik Anwesenheit der Bewohner simulieren, durch planvollen Einsatz von Licht und Rollläden.

Stadtvilla in Massivbauweise.
Foto: Heinz von Heiden GmbH

Hausbezeichnug: Stadtvilla Köpenick
Bauweise: Massivbauweise
Hausautomation: Telefunken Smart-Building-System Joonior
Dach: Zeltdach
Wohnfläche: EG 77,61 qm, OG 70,87 qm
Abmessungen: 10,42 m x 9,57 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Heinz von Heiden GmbH Massivhäuser, Chromstraße 12, 30916 Isernhagen, Tel.: 05 11/72 84-0, www.heinzvonheiden.de

Option für Technikaffine

Häuser dieses Herstellers können auf Wunsch mit dem drahtlosen Telefunken Smart Building System Joonior ausgerüstet werden, doch der Bauherr des Bungalows, ehemals als Unter­nehmer in der Elektronikbranche tätig, entschied sich für ein drahtgebundenes KNX-Bussystem. „Fast alle technischen Geräte im Haus lassen sich miteinander vernetzen und zentral steuern”, so der Auftraggeber, „Rensch-Haus musste deshalb schon bei der Fertigung den Einbau von speziellen Leitungen berück­sichtigen. Jetzt kann ich von kleinen Monitoren aus die gesamte Haustechnik steuern, die Raumtemperatur jedes Zimmers individuell regeln, Rollläden hoch- und runter fahren lassen oder ablesen, wie viel Strom unsere Photovoltaikanlage produziert hat und wie viel CO2 dadurch eingespart wurde.”

Häuser dieses Herstellers können auf Wunsch mit dem drahtlosen Telefunken Smart Building System Joonior ausgerüstet werden.
Foto: Rensch-Haus GmbH

Hausbezeichnung: Kundenhaus Stehle
Bauweise: Holztafelbauweise
Hausautomation: KNX-Bussystem, drahtgebunden
Dach: Walmdach
Wohnfläche: EG 158 qm
Abmessungen: 12,45 m x 14,58 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Rensch-Haus GmbH, Mottener Straße 13, 36148 Kalbach-Uttrichshausen, Freecall: 0 08 00/52 48 34 80, www.rensch-haus.com

Kontrolle ist besser

Ein inzwischen sattsam bekanntes Beispiel für Energieverschwendung, und dennoch kommt es immer wieder vor: Da ist in einem Raum das Fenster gekippt, und die Heizkörper laufen dennoch auf vollen Touren. Auch so geht globale Erwärmung. Mit dem drahtlosen Automatisierungs-System dieses Einfamilienhauses kann das nicht passieren, es dreht im betreffenden Zimmer eiskalt die Heizung auf Null. Die Automation hört auf den Namen WeberLogic und kümmert sich auf Wunsch und je nach Programmierung um wetterangepasste Steuerung der Jalousien, um Optimierung des Eigenverbrauchs an Solarstrom. Sie erlaubt dazu den Bewohnern im Urlaub von Strand, Café oder Taverne aus den beruhigenden Blick ins und rund ums Heim.

Smart Home in Holztafelbauweise.
Foto: WeberHaus GmbH

Hausbezeichnung: generation 5.0
Bauweise: Holztafelbauweise
Hausautomation: WeberLogic (auf EnOcean-Basis); myHomeControl für Steuerung von unterwegs
Dach: Pultdächer, versetzt
Wohnfläche: EG 82,76 qm, DG 75,72 qm
Abmessungen: 11,22 m x 9,04 m
Preis: 276.262 Euro (Ausbaustufe Bad komplett mit Bodenplatte, Ausstattungslinie
Exclusive, inkl. Photovoltaik)
Hersteller: WeberHaus GmbH & Co. KG, Am Erlenpark 1, 77866 Rheinau-Linx, Tel.: 0 78 53/83-0, www.weberhaus.de

Power auf Tastendruck

Im Modell VIO 400 des Herstellers FingerHaus, so wie es im Musterhauszentrum bei Köln-Frechen steht, übernimmt die Hausautomation FINGERGY alle Rechenaufgaben, die Komfortgewinn und Energieeinsparung bringen. Das Eigenheim wirkt von außen kompakt, innen dagegen äußerst großzügig. Mit Solarstromanlage, Lüftung und Luft/Wasser-Wärmepumpe kommt es in puncto Energiebedarf sehr nahe an den Passivhausstandard heran. Doch VIO ist mehr, ein Wohnkraftwerk, das im Jahresschnitt mehr Kilowattstunden erzeugt, als die Bewohner verbrauchen. FINGERGY nutzt die drahtlose EnOcean-Technik, deren Schalter und Sensoren ihren minimalen Betriebsstrom selber erzeugen: Die Schalter zum Beispiel gewinnen genug Energie aus dem Druck auf die Taste.

FINGERGY nutzt die drahtlose EnOcean-Technik, deren Schalter und Sensoren ihren minimalen Betriebsstrom selber erzeugen.
Foto: FingerHaus GmbH

Hausbezeichnung: VIO 400
Bauweise: Holztafelbauweise
Hausautomation: FINGERGY (auf EnOcean-Basis)
Dach: Satteldach
Wohnfläche: EG 92,82 qm, DG 85,85 qm
Abmessungen: 11,25 m x 9,20 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: FingerHaus GmbH, Auestraße 45, 35066 Frankenberg, Tel.: 0 64 51/5 04-100, www.fingerhaus.de

Vision und Inspiration

„Wohnmodul” nennt das Unternehmen SchwörerHaus seinen Fertigbau-Quader bescheiden. Er kann als Anbau und Ergänzung bestehender Häuser eingesetzt werden oder als eigenständige Wohneinheit. Von diesem Modul ausgehend hat Professor Werner Sobek, Stararchitekt mit Weitsicht, sein „Aktivhaus B 10” entworfen, das im Rahmen einer Testphase das Doppelte seines eigenen Verbrauchs an Energie erzeugen soll, mithilfe seines Photovoltaik-Daches und der laut der Projektbetreiber lernfähigen Haussteuerung von alphaEOS. Sie stellt die saubere Energie punktgenau den Bewohnern zur Verfügung, angepasst an deren Tageslauf, sowie zwei Elektroautos, die sie mobil machen, oder Gebäuden der Umgebung. Noch eine Vision, aber mit Aussicht auf baldige Verwirklichung.

„Wohnmodul” nennt das Unternehmen SchwörerHaus seinen Fertigbau-Quader bescheiden.
Foto: SchwörerHaus KG

Hausbezeichnung: FlyingSpaces / B 10
Bauweise: Holztafelbauweise
Hausautomation: alphaEOS
Dach: Flachdach
Wohnfläche: variabel
Abmessungen: variabel
Preis: auf Anfrage
Hersteller: SchwörerHaus KG, Hans-Schwörer-Straße 8, 72531 Hohenstein, Tel.: 0 73 87/16-0, www.schwoerer.de

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