Smarte Technik für eine intelligente Unterstützung im Alter.

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Wer auch im Alter weiter selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben will, braucht etwas Unterstützung. Die kann er durch smarte Technik bekommen.
Foto: Jung

Wer auch im Alter weiter selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben will, braucht hier und da etwas Unterstützung. Die kann er durch smarte Technik direkt von Haus oder Wohnung bekommen.

Harry Wendt, pensionierter Bergmann, ist mit seinen 80 Jahren noch ziemlich fit, hat aber wie viele ehemalige Kumpels Probleme mit den Atemwegen. Doch obwohl er allein in seiner Wohnung im Dortmunder Stadtteil Wickede lebt, kann er sich sicher sein, dass in kritischen Situationen schnelle Hilfe kommt. Dafür sorgt ein Warnsystem der Firma Locate Solution, das mit Bewegungsmeldern arbeitet. Bleibt der Bewohner für eine bestimmte Zeit reglos, erklingt ein Signalton, der Voralarm, den er ausschalten muss. Erfolgt das nicht, werden augenblicklich Pflegedienst, Angehörige oder Nachbarn benachrichtigt. Im Fall von Harry Wendt sind es Freunde in der unmittelbaren Nachbarschaft.

In der Hauszentrale mit Touchscreen (oben) laufen Daten der Sensoren zusammen, etwa des Bewegungsmelders, der Temperaturfühler, des Notruf Armbandes, und werden an den Rechner des Anbieters im Internet weitergeleitet.
In der Hauszentrale mit Touchscreen (oben) laufen Daten der Sensoren zusammen, etwa des Bewegungsmelders, der Temperaturfühler, des Notruf Armbandes, und werden an den Rechner des Anbieters im Internet weitergeleitet. Der verarbeitet sie und alarmiert in kritischen Situationen Bewohner, Angehörige oder Pflegedienst. Foto: Casenio

Fürsorgliches Haus

Smarte Technik wie diese ist nur ein kleiner Teil dessen, was Fachleute unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ oder AAL zusammenfassen, grob übersetzbar mit „von der Umgebung unterstütztes Wohnen“. Schon sehr viel mehr davon kann man sich zum Beispiel im Musterhaus der SOPHIA Living Network GmbH in Bamberg ansehen. Ein Herdwächter schaltet die Kochplatten aus, hat sich zu lange niemand mehr um sie gekümmert; an mehreren Orten (zum Beispiel im Bad) gibt es Funktaster für Notrufe, am Bett einen Panikschalter.

Zu jedem SmartHome-System gehören Sensoren, die Daten sammeln, ein Rechner, der die Daten zu Anweisungen verarbeitet, und Aktoren, die die Anweisungen ausführen.
Zu jedem SmartHome-System gehören Sensoren, die Daten sammeln, ein Rechner, der die Daten zu Anweisungen verarbeitet, und Aktoren, die die Anweisungen ausführen: Registrieren etwa die Sensoren unter dem Fußbodenbelag einen Sturz, wird Alarm gegeben. Foto: Future-Shape

Im Eingangsbereich weist ein Display auf offene Fenster und Türen sowie auf noch eingeschaltete Geräte hin, alle per Funk zu schließen beziehungsweise auszuschalten. Ein Daten-Armband überwacht Puls und Atmung und verständigt die SOPHIA-Zentrale, sollten die Werte von der Norm abweichen; der Gesundheitsmonitor erinnert an die rechtzeitige Einnahme von Medikamenten. Die Steuerung kann zudem Angehörige, Nachbarn oder die Zentrale informieren, verlässt ein an Demenz leidender Bewohner das Gebäude.

Die Anlage hat einen Wasserschaden gemeldet.
Die Anlage hat einen Wasserschaden gemeldet und gibt erst Ruhe, wenn jemand auf ihren Alarm reagiert. Foto: Casenio

Schutzengel-Funktion

Die meisten der auf AAL ausgerichteten SmartHome-Anlagen funktionieren drahtlos und sind leicht nachzurüsten, so auch das des Berliner Anbieters casenio. Hier werden Türen, Fenster, Lichtschalter mit Sensoren versehen, ebenso die Raumtemperaturen, die Nutzung von Herd und Wasserhähnen, alle Bewegungen im Haus registriert. Sensoren in den Matratzen stellen fest, wie viel die Bewohner schlafen.

Notrufschalter über der Badewanne.
Notrufschalter über der Badewanne: Geht es nach den Fachleuten in Sachen demografischer Wandel, sollten möglichst bald alle Wohnungen „Ambient Assisted Living“ bieten. Foto: SOPHIA living network

Alle diese Daten werden gesammelt, laut casenio verschlüsselt und übers Internet zur Auswertung zum Server des Unternehmens geschickt. Bei Auffälligkeiten bekommen Angehörige beziehungsweise der Pflegedienst eine E-Mail, eine SMS oder eine Nachricht per App. Doch AAL könnte bald noch weit mehr leisten. Forschungsinstitute entwickeln lernfähige Software, die aus Bewegungsprofilen und Gesundheits­daten der Bewohner herausliest, ob eventuell ein Sturz oder eine Herzattacke bevorsteht. Und auch in Sachen Sprachsteuerung tut sich etwas (siehe Kasten „Haus hört aufs Wort“).

Bei Verlassen dieses smarten Hauses sieht man am Display, ob noch Fenster oder Türen geöffnet sind.
Bei Verlassen dieses smarten Hauses sieht man am Display, ob noch Fenster oder Türen geöffnet und ob noch Geräte eingeschaltet sind. Foto: SOPHIA living network

Hilfe durch smarte Technik

Befürchtungen, die Nutzer würden die unpersönliche Form der Hilfe ablehnen, hält man bei SOPHIA für unbegründet. Auch Erfahrungen mit Pflegerobotern deuten nicht in diese Richtung, eher im Gegenteil. Vielleicht ist das Unpersönliche gerade das Attraktive an Ambient Assisted Living. Harry Wendt etwa möchte ungern seinen direkten Nachbarn zur Last fallen, wie ja die Mehrheit der Senioren, die niemandem Umstände machen möchte. Die Hilfe einer smarten Maschine nimmt man dagegen offenbar gerne an.

Der Roboter mit den Kulleraugen versteht Fragen und Anweisungen der Bewohner, informiert über eingehende E-Mails und holt im Notfall Hilfe.
In naher Zukunft: Der Roboter mit den Kulleraugen versteht Fragen und Anweisungen der Bewohner, informiert über eingehende E-Mails und holt im Notfall Hilfe. Foto: Fraunhofer IDMT

Infos und Beratung

Beratung und Information: Informationen und Beratung zu AAL, zur Förderung und zur Finanzierung durch die Krankenkassen erhält man bei Beratungsstellen zur Wohnungsanpassung, sowohl bei denen der Kommunen als auch bei denen karitativer Einrichtungen, siehe hierzu die Broschüre „Besser leben im Alter durch Technik“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Zu empfehlen ist ebenfalls die Broschüre „Länger zuhause leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Installation: Günstiger und besser zur Nachrüstung geeignet sind funkbasierte Systeme, deren zentrale „Intelligenz“ nicht im Haus, sondern auf einem Server im Internet liegt. Planen und installieren sollte die Technik ein Fachbetrieb mit Erfahrung in Sachen AAL. Die technischen Voraussetzungen hängen vom System ab: Für das SOPHIA living network beispielsweise braucht es laut Unternehmen lediglich einen DSL-Anschluss.

Förderung: Auf Bundesebene fördert die KfW nach dem Programm 159 „Altersgerecht Umbauen – Kredit“; Achtung: das Sys­tem muss u.a. leicht bedienbar und interoperabel sein, d.h. mit Komponenten anderer Systeme bzw. Standards erweiterbar.

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