Günstiges und hochwertiges Bauen am Hang.

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Bauen am Hang.
Foto: thinkstock/icafreitas

Günstiges und zugleich architektonisch hochwertiges Bauen am Hang, ist ein schwieriges Unterfangen. Die Architekten aus dem niedersächsischen Bovenden jedoch sind Spezialisten auf diesem Gebiet, was sich auch bei dem hier vorgestellten Einfamilienhaus bei Hannover zeigt.

Wenn Bauherren klare Vorstellungen und einen Sinn für gute Architektur haben, ist dies für jeden Planer eine optimale Voraussetzung – muss dann doch schon einmal nicht mehr über das Grundsätzliche diskutiert werden. Klar war hier für die junge Familie von vorn­herein, dass es ein Haus mit einerseits großzügigem, offenem Raumeindruck sein sollte, andererseits aber auch ausreichend abgetrennte Zimmer für die Eltern, Kinder, Bäder und Lagerräume vorhanden sein mussten.

Für außergewöhnliche Großzügigkeit sorgt die Raumöffnung bis unter den Dachfirst.
Für außergewöhnliche Großzügigkeit sorgt die Raumöffnung bis unter den Dachfirst. Foto: Thomas Drexel

Und gewünscht war Wohnen mit Anklängen an den skandinavischen Wohnstil, hell und natürlich, mit viel Holz. Dies zeigt sich im Äußeren, wo große Glasflächen mit anthrazitfarbenen Rahmenkonstruktionen, Lärchenholzleisten und weißen Putzfassaden harmonieren, vor allem aber bei der Gestaltung der­ ­Innenräume.

Der Wohn-, Ess- und Küchenbereich befindet sich im Obergeschoss.
Der Wohn-, Ess- und Küchenbereich befindet sich im Obergeschoss, da sich hier faszinierende Ausblicke nach draußen bieten. Foto: Thomas Drexel

Großzügiges Wohngefühl

Da man mit einem knappen, letztlich auch eingehaltenen Budget plante, war die Wohnfläche von Anfang an begrenzt. Die auf dem Hanggrundstück realisierten 152 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche verteilte man auf zwei Ebenen mit völlig ­unterschiedlichem Charakter: Die Zimmer der Kinder, WC und übrige Funktions­räume befinden sich im Erdgeschoss, mit großenteils direktem Gartenzugang, während das Obergeschoss überwiegend dem gemeinsamen Wohnen dient.

Der Kamin übernimmt gleichzeitig eine Rolle als Raumteiler, indem er die Funktionsbereiche optisch gliedert.
Der Kamin übernimmt gleichzeitig eine Rolle als Raumteiler, indem er die Funktionsbereiche optisch gliedert, ohne komplett zu trennen. Foto: Thomas Drexel

Nordwärts schließt sich noch der Elternbereich an. Ansonsten zeigt sich diese Ebene ­jedoch als loftartiger Raumzusammenhang, der bis zur Dachuntersicht geöffnet ist. Sichtbar gehaltener Dachstuhl und Stützenkonstruktion bestehen wie der Bodenbelag aus Holz, Wandoberflächen und Kücheneinbauten sind in Weiß gehalten. Das im Obergeschoss durchgehend ver­legte, günstige Lamellenparkett aus Eiche lässt den „Ein-Raum“ durch das einheit­liche Material noch größer wirken. Eine Wandscheibe mit integriertem Kamin ­separiert Kochen und Essen vom Wohnen, jedoch bleibt der Raum seitlich und oben bis zur Decke frei, die visuelle Durchgängigkeit bleibt erhalten. Große Glasflächen, vor allem nach Süden und Westen, holen viel Licht herein und ermöglichen einen weiten Ausblick.

Holz vermittelt Wärme und Gemütlichkeit. Daher wünschte sich die Familie die Sichtbarkeit des natür­lichen Baustoffs.
Holz vermittelt Wärme und Gemütlichkeit. Daher wünschte sich die Familie die Sichtbarkeit des natür­lichen Baustoffs. Foto: Thomas Drexel

Kosten senken beim Bauen am Hang

Die recht steile Hanglage erforderte es, ein Stück weit in das Gelände einzugreifen, jedoch konnten die Erdbewegungen und damit der finanzielle Aufwand durch die schmal-längliche Kubatur reduziert werden. Ebenfalls aus Kostengründen wurde auf einen Keller verzichtet, stattdessen sah man auf der nordöstlichen Hangseite einen Ersatzraum vor.

Gerade dem Wohnalltag von jungen Familien kommen solche offenen Grund­risse sehr entgegen.
Gerade dem Wohnalltag von jungen Familien kommen solche offenen Grund­risse sehr entgegen, da die Beaufsichtigung
der Kinder sehr viel leichter gelingt. Foto: Thomas Drexel

Die geringe Gebäudebreite ermöglichte zudem die Verwendung von Konstruktionshölzern mit geringeren Querschnitten und verminderte den statischen Aufwand. Auch beim Innenausbau achtete man durch die Vermeidung unnötiger Wände und Türen nicht nur auf Durchgängigkeit, sondern auch auf Kos­tenvermeidung. Anstelle teurer Brüstungen setzte man Ikea-Regale als Absturzsicherung ein und gewann gleichzeitig Stauraum hinzu.

Eine geradläufige Holztreppe ­verbindet den Wohnbereich und ­Elternbereich oben mit den beiden Kinderzimmern sowie dem Kinderbad auf der unteren Etage.
Eine geradläufige Holztreppe ­verbindet den Wohnbereich und ­Elternbereich oben mit den beiden Kinderzimmern sowie dem Kinderbad auf der unteren Etage. Foto: Thomas Drexel

Nicht zuletzt fiel beim Heizsystem die Wahl auf eine sowohl effiziente als auch günstige Variante mit Gas-Brennwerttherme und Solarthermie. Natürlich brachten die Bauherren auch ­Eigenleistung ein und suchten, etwa bei Bodenbelägen, nach hochwertigen, aber günstigen Sonderposten. So entstand ein ausgesprochen wohnliches, hochfunk­tionales und dabei günstiges Haus mit ­anspruchsvoller, individuell auf die Ansprüche der Familie abgestimmter Architektursprache.

Ein Grundstück in Hanglage stellt eine besondere ­Herausforderung dar.
Bauen am Hang: Ein Grundstück in Hanglage stellt eine besondere ­Herausforderung dar, bietet aber auch viele Möglichkeiten für die Gestaltung. Foto: Thomas Drexel

Haus-Daten

Wohn-Nutzfläche gesamt: ca. 152 m²
Bruttorauminhalt (BRI): ca. 743 m²
Baustoffe: Stahlbeton, Ziegelmauerwerk, Holz
Fassade: Putz, Holzleisten (Lärche)
Dach: Satteldach, Betondachsteine
Heizenergiebedarf: ca. 38 kWh/(m²a)
Baukosten: ca. 242.000 Euro brutto ­(ohne Anrechnung von Eigenleistung)
Architekten: ­K2 Architekten Irmgart Kösters und Kai Korth

Ideal für Jugendliche und ihre Eltern: Direkt vom Haus­- e­ingang geht’s in die Kinderzimmer.
Ideal für Jugendliche und ihre Eltern: Direkt vom Haus­e­ingang geht’s in die Kinderzimmer. Wohnbereich und Elternschlafzimmer befinden sich oben. Vom Carport führt ein überdachter Gang zur Haustür. Foto: Thomas Drexel