In Ruhe wohnen – Dachsanierung mit Schallschutz.

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Dachsanierung Schallschutz
Foto: Deutsche Rockwool

Früher oder später wird er kommen, der neue Berliner Flughafen. Dann werden sich Flugzeuge nur einige hundert Meter über den Dächern von rund 200 Einfamilienhäusern im besonders lauten Start- und Landeanflug befinden. Viele deren Besitzer entscheiden sich jetzt noch schnell für Lärmschutzmaßnahmen.

Die Häuser der sogenannten GAGFAH-Siedlung wurden mehrheitlich Mitte der 1930er-Jahre erbaut. Auch die heutigen Bewohner genießen das naturnahe Wohnen in Blankenfelde. „Ihrem Blankenfelde“ treu bleiben wollen viele Hausbesitzer auch dann, wenn der BER den Flugbetrieb aufnimmt. Was das bedeutet, haben sie bereits während der ersten Testphase zu hören bekommen. Entsprechend investieren viele von ihnen in den Schallschutz. Neben neuen Schallschutzfenstern steht die schallschutztechnische Ertüchtigung der Dächer ganz oben auf der Agenda. Dachdeckermeister Hartmut Quappe und sein Team wissen, worauf es dabei ankommt.

Am Anfang steht die Demontage des alten Dachaufbaus.
Am Anfang steht die Demontage des alten Dachaufbaus. Auf die gereinigte Schalung aus Schilfrohrplatten kommt zuerst eine 20 mm dicke Lage aus „Floorrock“ Steinwolleplatten. Foto: Deutsche Rockwool

Besser von außen

„Viele Hausbesitzer nutzen die durch die Flughafengesellschaft angebotene finanzielle Unterstützung, um in die Substanz ihres Gebäudes zu investieren“, so Hartmut Quappe. In der Regel würden die Eigentümer allerdings finanziell nur mit dem Betrag unterstützt, der für eine Dämmung der Schrägdächer von innen fällig würde. Dass sich viele Bewohner dazu entschließen, diesen Betrag aus „eigener Tasche“ aufzustocken und in eine Schrägdachdämmung von außen zu investieren, hat mehrere Gründe. „Einige haben das Dachgeschoss schon vor Jahren vollständig ausgebaut, meistens befinden sich dort das Schlaf- und ein Badezimmer mit maßangefertigten Einbaumöbeln. Andere haben die Dachschrägen mit Holz verkleidet und möchten es auch dabei belassen. Was alle eint: Die Belastung durch Schmutz und Lärm während der Dachsanierung im Haus wollen sie so gut es geht vermeiden. Hinzu kommt, dass unter Schallschutzgesichtspunkten und bauphysikalischen Aspekten eine Dämmung von außen einfach die sinnvollste Alternative ist.“ Was dem Retusche: Himmel „BLAU“ Team von Hartmut Quappe die Planung und Arbeit erleichtert: Die Dachaufbauten der allermeisten GAGFAH-Häuser sind identisch. Entsprechend eingespielt sind inzwischen die Sanierungsabläufe. Von der Demontage des alten Daches bis zum Verlegen des letzten neuen Ziegels vergehen nicht mehr als zehn Arbeitstage. „Optimalerweise entscheiden sich die Bewohner von zwei Doppelhaushälften für eine gemeinsame Modernisierung.“

Hörbare Verbesserung

Der Dachaufbau eines Siedlungshauses in Blankenfelde besteht in der Regel aus einer Schalung und verputzten Schilfrohrplatten. In einigen Dächern findet sich auf diesen noch eine dünne Schicht aus Seegras, ansonsten blieb der Zwischensparrenbereich bis zu den alten Biberschwanzziegeln komplett ungedämmt. „Mit solchen Dächern liegen Sie bei einem Schalldämmmaß von 20, wenn es hochkommt 30 dB, was natürlich vollkommen unzureichend ist. Mit unserem, in Zusammenarbeit mit der Flughafengesellschaft und dem Dämmstoffhersteller Rockwool entwickelten Dachaufbau erreichen wir in Vor-Ort Messungen bestätigte 52 dB, meistens sogar noch weit höhere Werte“, erklärt der Dachdeckermeister. Diese Werte wurden in Messungen an ber„eits sanierten Häusern in Blankenfelde auch tatsächlich belegt. Auf die gesäuberte Schalung verlegen die Dachdecker zunächst eine 20 mm dicke Steinwolleplatte („Floorrock“) und auf diese eine Dampfbremse, die über die Sparren geschlauft verlegt wird. „Hierbei ist es besonders wichtig, dass die Folie sehr exakt angearbeitet wird. Alle Anschlüsse werden pastös verklebt. Das Anliegen der Folien an den Sparren wird in den Eckbereichen mit zusätzlich angebrachten Holzleisten sichergestellt. Jede Leckage oder nicht ordentlich verschlossene Foliendurchdringung hätte gleich einen schlechteren Schallschutz zur Folge.“ Für den weiteren Dachaufbau setzen die Dachdecker auf das geprüfte „Meisterdach Plus“ von Rockwool. Dieses besteht aus einer 160 mm starken Dämmung zwischen den Sparren mit „Klemmrock 035“

Sonderfall

Ein Sonderfall ist das Haus von Anneliese und Rudi M. Neben der ursprünglichen Haushälfte musste das Dachdeckerteam für sie auch noch einen circa 25 m² großen Anbau bei der Planung der Schallschutzdämmung berücksichtigen. „Der Anbau hatte bis dato ein Flachdach. Zunächst haben wir deshalb überlegt, dieses Dach einfach mit einer Dämmung in gleicher Stärke wie auf dem Schrägdach zu versehen. In Abstimmung mit der Dachdeckerei Quappe und der Flughafengesellschaft wurde dann allerdings eine andere Lösung gefunden “, stellt Eigentümer Rudi M. fest. Diese Lösung bestand in einer aufgehenden Dachkonstruktion, die auf das massive Flachdach gesetzt wurde.„Wir haben hierfür zunächst eine Fußpfette auf dem Flachdach angebracht und von dort aus neue Sparren bis zum bestehenden Schrägdach gezogen“, erläutert Dachdeckermeister Hartmut Quappe. Eine schützende Hülle für Haus und Anbau aus einem Guss – das sieht gut aus, ist sicher und langlebig.

Durch die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens wird sich das Leben für die Bewohner deutlich ändern
Durch die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER wird sich das Leben der Menschen in Berlin-Blankenfelde deutlich verändern. Foto: Deutsche Rockwool

Fazit: Ruhe trotz Verkehr

Und die „inneren Werte“? Auch dazu hat die Hausherrin schon die Meinung eines unabhängigen Dritten eingeholt: „Kürzlich war mein Bruder zu Gast und hat unterm
Dach übernachtet. Sein Kommentar beim Frühstück: ,Wahnsinn, wie ruhig das jetzt ist.’ Und das, obwohl sich keine 20 Meter weiter eine stark befahrene Straßenkreuzung
befindet. Blankenfelde bietet für uns einfach genau die richtige Mischung aus Natur und frischer Luft, einem lebendigen Gemeindeleben und einer guten Infrastruktur. Ein Wohnumfeld, das wir keinesfalls wegen eines Flughafens aufgeben werden.“

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