Mehr Helligkeit im Haus: Licht für gute Laune.

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Wintergarten
Foto: Solarlux

Während die meisten Neubauten mit großen Fensterfronten glänzen, braucht man in Häusern früherer Generationen an trüben Tagen selbst tagsüber elektrische Beleuchtung. Doch es gibt Möglichkeiten, dem Tageslicht mehr Raum zu geben – und nicht immer ist dafür ein großer Umbau notwendig.

Je mehr Licht ins Haus fällt, umso großzügiger wirken die Räume, umso mehr hebt sich die Stimmung und umso lebendiger ist die Atmosphäre. Viele Menschen, die den Tag in Großraumbüros oder Produktionshallen mit künstlicher Beleuchtung verbringen, haben den Wunsch, wenigstens zu Hause das Tageslicht zu genießen. Doch wie kann man Häuser, bei denen die Fenster nach heutigem Verständnis eher Luken gleichen, dafür öffnen und was muss man beachten?

Energetische Gesichtspunkte

Die ehemals kleinen Fenster waren unter anderem der Tatsache geschuldet, dass durch die Scheiben viel Wärme verloren ging. Dank moderner Isolierverglasung gibt es keinen Grund mehr, auf großzügige Fensterflächen zu verzichten. Im Gegenteil – Wärmeverluste relativieren sich sogar, wenn die Wintersonne die Räume so temperiert, dass die Heizung abschaltet. Am besten lässt sich die „Lichtoffensive“ im Rahmen einer umfassenden energetischen Sanierung verwirklichen: wenn also nicht nur die Fenster ausgetauscht, sondern auch die Außenfassade gedämmt und die Heizung erneuert werden. Auf diese Weise können alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt und in ein energetisches Gesamtkonzept eingepasst werden. Denn neue Fenster sind hoch wärmegedämmt und dicht. Feuchte Raumluft kann nicht mehr entweichen. Unsanierte Außenwände dagegen sind kalt. Die Feuchtigkeit schlägt sich in der Folge als Kondenswasser an deren Innenseite nieder. Fehlt den Bewohnern die Zeit, mehrmals am Tag ausreichend zu lüften, steigt die Gefahr von Schimmelbildung. Doch nicht nur aus energetischer Sicht sollten Fenstertausch und Sanierung des Mauerwerks Hand in Hand gehen. Putzschäden sind bei der Veränderung von Fensterzuschnitten unvermeidlich und erfordern anschließend sowieso Fassadenarbeiten.

Größere Fensterflächen

Die Erweiterung klassischer Zimmerfenster zu raumhohen Elementen gehört fast schon zum Standardprogramm einer Modernisierung. Dabei kann der untere Bereich als feststehende Verglasung ausgeführt werden oder man entscheidet sich für eine Fenstertür. In den oberen Stockwerken sorgt dabei ein französischer Balkon für Sicherheit. An schönen Tagen zaubert die geöffnete Tür fast Balkonatmosphäre herbei. Kleine Zimmer wirken plötzlich gar nicht mehr klein – man kann wieder durchatmen. Wer allerdings die Wand unter der Fensterbrüstung als Stellfläche braucht, holt sich zusätzliches Tageslicht beispielsweise durch schmale Fensterbänder unterhalb der Decke herein. Wohnzimmer waren früher eher schummrig und düster. Für die Anbindung an Garten und Terrasse gab es zwar in der Regel zweiflügelige Glastüren. Die waren jedoch eher schmal und oft „überdacht“ vom darüberliegenden Balkon. Damit wurde das Mehr an Licht sofort wieder geschluckt. In vielen Fällen reicht die Verbreiterung der Fensterfront und der Einsatz großer Schiebelemente, damit junge Familien in der guten Stube befreit durchatmen können. Bleibt der Balkon, bietet es sich an, den Raum darunter rundum, am besten raumhoch zu verglasen und dem Wohnzimmer zuzuschlagen. Man gewinnt neben der Fläche eine Art Wintergarten, durch den viel Licht nach innen dringt. Schön ist es, wenn dieses nicht gleich wieder an der nächsten Wand stecken bleibt. Es lohnt sich, die kleinteiligen Grundrisse von damals aufzubrechen, indem man beispielsweise das einstige Esszimmer mit dem Wohnzimmer zusammenlegt, um einen zeitgemäßen und lichtdurchfluteten Aufenthaltsbereich auf Erdgeschossebene zu schaffen. Solche zugegebenermaßen aufwendige Aktionen lohnen sich enorm.

Fenster wurde vergrößert
Trotz des breiten Fensters kam früher wenig Licht ins Wohnzimmer. Im Zuge der energetischen Sanierung wurde die Fensterfront deutlich vergrößert. Heute erhält das Haus mehr Licht und hat mit der Dreifachverglasung kein
Wärmeleck mehr. Foto: Tremco Illbruck

Transparenz statt dunkle Ecken

Ist erst einmal die Außenhülle offener gestaltet, sind auch Lichtblicke für dunkle Gänge möglich. Über Glastüren, Türrahmen mit Oberlichtern oder Fensterbänder an den Innenwänden fällt von der neuen Helligkeit auch für den Flur ein Teil ab. Wohn- und Esszimmer, Küche und Arbeitszimmer sind besonders für Glas-Lösungen geeignet. Und natürlich der Eingangsbereich: Eine andere Haustür mit Glaseinschnitt, Festverglasungen neben dem Eingang oder ein Vordach aus Glas statt aus Holz oder Edelstahl gehören zu den Maßnahmen, die mit teilweise geringem Aufwand zu verwirklichen sind. Gute Dienste leistet der Anbau eines Windfangs, sofern dies baurechtlich möglich ist. Er dient als Klimapuffer. Dadurch bleibt die Diele warm. Somit kann sie problemlos mithilfe von Durch- brüchen offen an den Wohnbereich angeschlossen werden, sodass sich das Licht im gesamten Erdgeschoss frei ausbreiten kann, von der Terrassen- bis zur Wohnungstür. Sehr schick und eine originelle Idee sind Glasbausteine. Sobald der Tag durch solcherart transparente Wände schimmert, wird sogar ein innen liegendes Bad in ein freundliches Licht getaucht. Übrigens profitieren auch Loftwohnungen, die in der Regel viel Fläche zwischen den Fensterfronten haben, von Glasbausteinwänden als Raumteiler oder lichtdurchlässiger Innenwand.

Dachoptionen

Wo ist man näher an der Sonne, wenn nicht unterm Dach? Gauben und Dachfenster, komplett verglaste Giebel, Glasbänder als First oder Lichtkuppeln in Flachdächern bieten Gestaltungsspielräume, die nicht nur die Räume darunter mit Helligkeit fluten, sondern dem ganzen Haus ein architektonisches Glanzlicht aufsetzen können. Doch sollten neben der optischen Schönheit pragmatische Aspekte nicht vergessen werden. Dazu gehört der integrierte Sonnenschutz, der die Räume im Sommer vor Überhitzung bewahrt oder die Fernbedienung, mit der man unerreichbare Dachfenster bequem öffnen und schließen kann, wie auch die Frage, wie sich die Reinigung verdreckter Scheiben bewerkstelligen lässt. Kommt man von innen nicht an die Außenscheiben heran oder muss jedes Mal eine Reinigungsfirma, die über Kranfahrzeuge mit Hebebühnen verfügt, bestellt werden? Oder investiert man gleich in hochmoderne Scheiben, die dank Lotuseffekt selbstreinigend sind? Wer sich darüber keine Gedanken macht, erlebt unter Umständen ein böses Erwachen: Eine regelmäßige Fremdreinigung belastet das Budget nämlich spürbar und in einer Hitzefalle entsteht kein Wohlfühlklima. Nicht ohne Experten Allein diese Ausführungen zeigen, dass es kaum ohne Architekten geht. Wer nur ein Dachfenster einsetzen will, dem reicht der Zimmermann. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in die Hand eines erfahrenen Planers. Er übernimmt die Abklärung mit dem Baurechtsamt, reicht die Unterlagen für die Genehmigung ein, kümmert sich um die Statik, wenn Wände fallen, und hat ein Auge auf die richtige Materialauswahl, vermeintliche Nebensächlichkeiten wie den erwähnten Sonnenschutz und vieles andere mehr. Auch ist seine Funktion als Bauleiter, der die Ausführungsqualität kontrolliert, nicht zu unterschätzen. Pfusch beim Anschluss der unterschiedlichen Bauteile führt unweigerlich zu Wärmebrücken und Undichtigkeiten, die sich in höheren Heizkosten niederschlagen und über die Jahre der Bausubstanz schaden können. Mit dem Fachmann an der Seite wird dieses Risiko minimiert und die Chance genutzt, durch die Lichtoffensive ein nachhaltig freundliches Wohnklima zu schaffen, das die Lebensqualität für die Bewohner wesentlich steigert.

Foto: Sunshine/Interpane
Foto: Sunshine/Interpane

Effektive Lösungen für besondere Situationen:
Röhre im Dach: Auf diesem Weg bringt man das Licht vom Dach direkt an den gewünschten Ort, zum Beispiel das fensterlose Bad oder den spärlich erleuchteten Flur. Eine witterungsbeständige Lichtkuppel fängt die Sonnenstrahlen ein und leitet sie über Reflektoren durch die Röhre ins Haus­innere. Dort streut das Licht – hell, aber ohne zu blenden – über den Auslass (Diffusor) an der Decke. Das klappt bei Bedarf über mehrere Stockwerke hinweg.
Lichtfluter im Keller: Auch in den Räumen unter Tage muss es nicht düster bleiben. Beim Lichtfluter ersetzt eine leicht schräg gesetzte Abdeckscheibe den Gitterrost des klassischen Lichtschachts. Das Licht fällt unreflektiert in der ursprünglichen Intensität direkt in die Räume des Kellergeschosses. Lüftungsvorrichtungen an den Seitenwänden ermöglichen zudem eine einfache Be- und Entlüftung der Kellerräume.

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