Der Umbau zum effizienten Bungalow.

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Umbau Bungalow.
Foto: Stefan Fister

Die beiden Umbauplaner bekunden Respekt vorm Architekten des Bungalows von 1969. Respekt, ohne zu erstarren: Das Ergebnis ihrer ganz unschüchternen Umgestaltung ist energetisch und optisch klar 21. Jahrhundert.

Es ist ganz offensichtlich ein Sonnenhaus. So zeigt es sich wenigstens von Süden, vom Garten her gesehen, mit sehr viel Glas, etwas Titanzink an den Attiken der Flachdächer, ansonsten mediterran-roter Putzfassade. Aus bestimmten Blickwinkeln betrachtet, überlässt es die Hauptrollen dem grünblau leuchtenden Schwimmteich und der dichten, üppigen Vegetation ringsum. Fast kommt es einem vor, als sei es nach dem Naturschwimmbecken angelegt worden, als Unterschlupf für die Badenden während sommerlicher Regenschauer.

Das Projekt „Umbau Bungalow“ beginnt

Man errät unschwer: Der Teil mit dem etwas angehobenen, schwebenden Dach ist das Zentrum. Dort befindet sich das Wohnzimmer, ein großzügiges Karree mit Licht aus allen Himmelsrichtungen – durch die vollverglaste Südfront fällt es ein, im Norden, Osten und Westen durch Fensterbänder direkt unterm Flachdach. Noch offener und heller ist nur noch das Esszimmer im Südwesten. Rot, draußen die tonangebende Farbe, herrscht ebenso drinnen vor, in vielerlei Schattierungen. Bilder, Sessel und Sofas, Kissen nehmen das Thema auf, im Bad spielen Bisazzafliesen auf Waschtisch, Wanne und in der Dusche es in allen Variationen durch. Ein Boden aus Eichenparkett reflektiert diese Wärme. Abstrakt, reduziert, aber warm, falls jemand dachte, das sei ein unvereinbarer Gegensatz – es stimmt anscheinend nicht. Auf der Nordseite, wo die Fenster rar und kleiner sind, strahlt dafür mehr Putzfassade in dem sanften Terrakotta die Umgebung an.

Foto: Stephan Fister
Es wurde eine eindeutige Zugangssituation geschaffen. Foto: Stefan Fister

Berüchtigte Bausubstanz

Es sei tatsächlich so, der heutige Besitzer habe damals, 2004, ein Haus gekauft und nicht nur ein Grundstück. Versichert Michael Seppmann vom Planungsbüro Werning und Seppmann, das das Gebäude umgestaltet, umgekrempelt und erweitert hat. Dieses Grundstück liegt wirklich ausgezeichnet, in einer sattgrünen Wohngegend mit hervorragender Infrastruktur, und ist nicht gerade klein. Darauf stand – und steht in gewisser Weise heute immer noch – ein Bungalow von 1969. Einer von jener Sorte, die unter Energieberatern einen überaus schlechten Ruf hat, der man erfahrungsgemäß nicht mehr auf ein anständiges energetisches Niveau helfen kann, jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten. Sie empfehlen in diesen Fällen immer öfter klipp und klar Abriss und Ersatzneubau. Das Problem: Viele Besitzer solcher Objekte sind energieberatungsresistent, oder hängen vielleicht aus familiären Gründen an ihnen. Oder sowohl als auch.

Foto: Stefan Fister
Der Schwimmteich: Nord- und Ostufer sind Beckenrand, Süd- und Westufer reine Natur. Foto: Stefan Fister

Gemütlich – für Marder

Hier lag der Fall ein wenig anders. Sicher war der energetische Zustand des Bungalows mehr als bedenklich. Sein Wärmeschutz muss bereits bescheiden gewesen sein, als er noch relativ intakt war, bevor zum Beispiel die Marder es sich in der Glaswolle unter dem Flachdach gemütlich gemacht und das Dämm-Material nach Marderart zerrupft hatten, noch bevor die ursprünglich zehn Zentimeter starke Dämmschicht auf ein Drittel zusammengesackt war, wie Seppmann sich erinnert. Eine Ölheizung bullerte im Keller, viel von der kostbaren Heizwärme ging übers Dach, die Wände, die viel zu dünnen Fensterverglasungen verloren. Doch davon abgesehen hatte das Gebäude etwas zu bieten. Solide Mauern aus Kalksandstein, eine durchdachte Raumstruktur, die konsequente Öffnung nach Süden hebt der Umbauplaner hervor und findet anerkennende Worte für den Architekten.

Mikroklimaretter

Die Grundstruktur ließ man weitgehend unangetastet, entkernte allerdings konsequent. Seppman: „Wir haben bis auf den Rohbau alles entfernt …“, darüber hinaus wurden die Außenwände im Süden eingerissen sowie die eine oder andere störende Innenwand. So wuchsen das Wohnzimmer und das Schlafzimmer, es wurde das Esszimmer im Südwesten angefügt, gegenüber, an der Nordostecke, Abstellraum und Arbeitszimmer, wo sich zuvor die überdachte Verbindung von Haus und Garage befunden hatte. Vom großzügigen Kellerausbau ganz zu schweigen. Statisch wurden die Karten ohnehin neu gemischt, eine völlig neue Dachkonstruktion sollte zusätzlich eine Begrünung tragen. Als Wasserspeicher entlastet sie die Kanalisation der Kommune bei Niederschlägen, die Pflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft. Außerdem schützt sie ein Flachdach vor den Strapazen der Temperatursprünge, kühlt das Haus darunter im Sommer und ist zusätzlicher Wärmeschutz im Winter.

Foto: Stefan Fister
Auf der Nordseite wurde vorm Keller großzügig abgeböscht. So erhielt das Untergeschoss echten Wohnwert. Foto: Stefan Fister

Wärmeverteiler

Werning und Seppmann sind schon etwas länger im Geschäft, haben mehr als 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet des umweltfreundlichen, postfossilen Bauens gesammelt. Man hat einen Ruf in der Region, in der Regel wissen Interessenten, was sie bekommen, bevor sie die beiden zum ersten Mal sehen: Ökologie und Energieeffizienz in Reinkultur. Bauherr und Planungsbüro konnten 2004 zudem schon auf eine langjährige Zusammenarbeit zurückblicken, und der Auftraggeber, beruflich „vorbelastet“, musste in Sachen Ökologie gar nicht erst beraten werden. Im Bungalow am Teich steckt eine ganze Menge unauffälliger Effizienztechnik. Drei-Scheiben-Verglasungen etwa: „Wir haben hier gar nicht mehr ein Heiz-, sondern, wenn überhaupt, ein Verschattungsproblem …“, meint Michael Seppmann. Im Wohnzimmer ist der Aufenthalt meist selbst in der kalten Jahreszeit ganz ohne Zutun der Wandflächenheizung angenehm. Dafür, dass es nicht zu mollig wird, sorgt die Hausautomation in Form eines BUS-Systems, über das die Haustechnikkomponenten ihre Aktionen untereinander koordinieren. Temperaturfühler im Wohnbereich melden, wenn es bald soweit sein könnte, woraufhin die Verschattung aktiv wird. Und nicht, wenn ein Lichtsensor draußen von einem Sonnenstrahl getroffen wird. Das ständige Auf und Ab auf diese Art gesteuerter Raffstores hat schon die Nerven so mancher Hausbesitzer blank gelegt. Ein BUS-System ist eben nur so klug wie sein Programmierer beziehungsweise Planer. Die Wärmeverluste sind vernachlässigbar klein, die Dämmpackungen aus Cellu- loseflocken sind je nach Ort der Anbringung zwischen 28 und 38 Zentimeter stark, unterm obersten Flachdach 38 Zentimeter. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung lässt die verbrauchte Abluft aus dem Haus, nicht oder größtenteils nicht die in ihr enthaltene Energie. Die niedrigen Vorlauftemperaturen, mit denen die Wandflächenheizungen betrieben wird, steigern wiederum die Effizienz des Gas-Brennwertkessels. 2005 wurde so der KfW-40-Standard erreicht, der heute ungefähr dem des KfW-Effizienzhauses 55 entspricht.

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Der Auftraggeber ist im Gartenbau tätig, hat den Außenbereich selber angelegt. Foto: Stefan Fister

Gute Anlagen

Soweit die beweglichen Teile, nun zu den unbeweglichen, unauffälligen Effizienztechniken. Nehmen wir den Schwimmteich vor der Terrasse. Haus, Büsche und Bäume dahinter spiegeln sich recht anmutig und malerisch im Wasser, solange niemand Wellen macht. Aber wie vor den alten Palästen Indiens soll es nicht nur die Pracht verdoppeln: im Sommer kühlt es, neben den Schwimmern, die nähere Umgebung. Durch die Verdunstung wird der Luft Wärme entzogen, abends kommt dadurch sogar eine leichte, frische Brise auf. Oder die Öffnung zur Sonne, die im Winter die Wärmestrahlung tief ins Haus gelangen lässt, ein uralter Kniff der Solar­architektur, von dem vor 2.400 Jahren schon Platon zu berichten wusste. Dann die Gruppierung der Räume um einen zentralen, wärmespendenden Bereich, wie seit je in unseren Bauernhäusern. Die Moderne hat von Weite, Offenheit, Helligkeit des Wohnens geträumt, ihre Architekten haben diesen Traum anfangs ohne Rücksicht auf Verluste wahr gemacht, ohne Rücksicht auf den Energiebedarf. Sie mussten es nicht, in Zeiten, in denen man den Kessel notfalls 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche durchlaufen ließ. Werning und Seppmann haben die Offenheit gar noch weiter getrieben, die enormen energetischen Schwächen des Gebäudes dagegen freundlich, aber bestimmt korrigiert. Auch ein Bungalow aus der Epoche des billigen Öls kann, hat er gute Anlagen, noch die Kurve Richtung Sonnenhaus kriegen. Beziehungsweise die Energiewende schaffen.

Foto: Stefan Fister
Foto: Stefan Fister

Umbau-Daten:
Baujahr Altbau
: 1969
Umbau: 2004 – 2005 Bauweise
Bestand: massiv Baustoffe Bestand,
konstruktiv: Kalksandstein, Beton, KV-Holz Bauweise
Umbau und Erweiterung: Holzständerbau Baustoffe Umbau,
konstruktiv: KV-Holz
Dach: Flachdach, mit extensiver Begrünung
Dämmung: Cellulosedämmung
Fassade: Putz Baustoffe
Ausbau: Gipskartonplatten
U-Werte Außenwände vorher: 1,58 W/m²K
U-Werte Außenwände nachher: 0,19 W/m²K
U-Werte Fenster vorher: 5,0 W/m²K
U-Werte Fenster nachher: 0,82 W/m²K
Heizung und Haustechnik: Gas-Brennwertkessel mit Fußboden- heizung, kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, BUS-System zur Steuerung der Haustechnik Jahresprimärenergiebedarf (rechnerisch): unter 40 kWh/m²a (KfW-40-Haus)
Wohnfläche vorher: ca. 126 m²
Wohnfläche nachher: ca. 249 m²
Umbaukosten (ohne Außen- anlagen): ca. 250.000 Euro
Umbauplaner: Planungsbüro Werning/Seppmann, Dipl.-Ing. Innenarchitektin Beate Werning, Dipl.-Designer Michael Seppmann

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