Flachdacherneuerung. Noch ganz dicht?

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Foto: MEM Bauchemie

Auch in der Baubranche hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das heißt, für die maroden und undichten Flachdächer der 70er-Jahre-Bungalows gibt es nun Hoffnung auf dauerhafte Sanierung, denn die Bautechnik hat in Sachen Dämmung und Abdichtung große Fortschritte gemacht.

Längst aber sei der Stand der Technik ein anderer und garantiere bei korrektem Vorgehen Beständigkeit auf Jahrzehnte, prophezeien die Dachdecker- Innungen. Die Versäumnisse der Vergangenheit gelten als überwunden: Folien und Abdichtungen, die die enormen Temperaturschwankungen nicht aushielten und schnell mürbe und rissig wurden; zu wenige und zu kleine Abflüsse für Niederschlagswasser, die schnell verstopften; lächerlich dünne oder fehlende Wärmedämmung, Ausdruck der damaligen Sorglosigkeit in Sachen Energieverbrauch. Und heute? Im Gegensatz zu mediterranen Ländern muss in unseren Breitengraden einfach mehr Aufwand betrieben werden. Flachdächer stellen hohe Anforderungen an die Dämmung und Abdichtungssysteme, weil sie der am stärksten beanspruchte Teil eines Gebäudes sind. Werden die Durchdringungen für Antenne, Kamin, Belüftung oder Entwässerung nicht ordentlich abgedichtet, lässt der Schaden nicht lange auf sich warten. Wasser im Dachaufbau macht zuerst die Dämmung unwirksam und greift dann die Dachkonstruktion an.

Schlechte Dämmung

Man kann unter einem Flachdach der alten Schule nicht nur frösteln, sondern auch ins Schwitzen kommen. Das hat mit der minderwertigen Dämmung zu tun, denn fünf Zentimeter Mineralwolle können die Sommerhitze nicht draußen halten, an Schlaf ist in solchen Räumen dann nicht zu denken. Eine Anregung, die Sanierung oder Erneuerung des Dachs im größeren Zusammenhang zu sehen, mit dem Problem der Dichte gleich noch das des Wärmeschutzes anzugehen. Nun gilt es, einen seriösen Dachdecker-Betrieb zu finden. Solche Unternehmen klingeln nicht an der Haustür und schwatzen einem Reparaturen auf (sie hätten „zufällig“ in der Nachbarschaft zu tun und da sei ihnen ein Schaden am Haus aufgefallen). Sie sind in der Region angesiedelt und können genug Referenzen vorweisen. Man sollte mehrere Betriebe kontaktieren und sich Kostenvoranschläge erstellen lassen, dazu ein paar ihrer Kunden aufsuchen und ausfragen. Erst dann dürfen einem die Profis aufs Dach steigen, damit sie sich ein Bild machen können. Handelt es sich um ein belüftetes Dach (Kaltdach) oder ein unbelüftetes (Warmdach)? Letztere sind wesentlich häufiger anzutreffen, weil einfacher herzustellen und kostengünstiger: hier liegt die Dämmung auf der Decke, auf ihr wiederum die Dachhaut. Ein Kaltdach verfügt über einen Luftraum zwischen Dachhaut und Dämmung, ist folglich weniger belastbar. Nach der Begutachtung können die Fachleute ein Angebot vorlegen. Es hängt vom Befund ab: Von lediglich einer neuen Abdichtung bis zu einem komplett neuen Aufbau reicht das Spektrum.

Neue Abdichtung

Ob der Kies zum Schutz der Dachhaut vor UV-Licht immer noch unbedingt notwendig ist, darüber streiten die Experten; die erwähnten Fortschritte haben neue Abdichtungen – Folien und Bitumenbahnen gebracht, härter im Nehmen als ihre Vorgänger. Im Neubaubereich werden auch schon des Öfteren nur noch zwei große Folien verarbeitet, gelegentlich eine am Stück, anstatt dass man einzelne Bahnen aufbringt und verklebt. Spezielle Trennfolien und Dränschichten machen Gründächer zu einer sicheren Sache. Sie entlasten die Kanalisation bei Regen und verbessern das Mikroklima rund ums Haus, und um die sogenannten extensiven Begrünungen muss man sich nicht weiter kümmern. Abgesehen von der regelmäßigen Inspektion, die aber auf jedem Flachdach erfolgen sollte.

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