Holz als Universalbaustoff und Sympathieträger.

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Bäume
Foto: thinkstock

Holz ist der wichtigste nachwachsende Universalbaustoff und ein attraktives Material für Ausstattung und Möbel. Sein Produktionsort, der Wald, hat aber auch große Bedeutung als Ökosystem und für den Klimaschutz.

Alles beginnt im Wald. Dort wachsen Bäume durch Photosynthese und ermöglichen durch die Produktion von Sauerstoff und das Speichern von Kohlendioxid erst das Leben auf der Erde. Aber Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Neben der „Produktion“ des Rohstoffs und Energieträgers Holz beeinflussen Wälder die Qualität von Luft, Boden und Wasser, schützen das Klima, sorgen für Biodiversität und bieten Erholung und schaffen Arbeitsplätze. Doch nur eine nachhaltige und naturnahe Forstwirtschaft wird in der Lage sein, den Kulturraum Wald zu pflegen und zu erhalten.

Sympathisch und natürlich

Der Blick in den sicht - baren Dachstuhl betont den konstruktiven Baustoff Holz und verschafft dem Raum seine ganz besonders wohnliche Wirkung. Foto: Sonnleitner
Der Blick in den sichtbaren Dachstuhl betont den konstruktiven Baustoff Holz und verschafft dem Raum seine ganz besonders wohnliche Wirkung. Foto: Sonnleitner

Holz gehört zum menschlichen Leben – im wörtlichen Sinn – von der Wiege bis zur Bahre. Es gilt als Sympathieträger unter den Baumaterialien: warm, natürlich, vertraut. Und Holz fasziniert. Solche Emotionen beeinflussen Entscheidungen, auch beim Hausbau. Für immer mehr Bauherren spielen Gesundheit und Ökologie eine tragende Rolle. Die alten Vorurteile, dass Holz brennt, fault und hellhörig sei, sind längst widerlegt: Massive Holzwände halten dem Feuer stand, auch im Außen bereich kann Holz über Jahrzehnte geschützt werden, und Holzdeckenkonstruktionen gibt es auch in schallisolierter Ausführung. Neben den überzeugenden bauphysikalischen Eigenschaften hat das Holz zweifelsohne sinnliche Quali täten, die besonders dort, wo das Material sichtbar ist, zum Ausdruck kommen. Aber die Sichtbarkeit der Holzflächen ist kein Muss. Bleiben sie in ihrer Natürlichkeit erhalten, wird das ganze Haus zu einem Art bewohnbaren Holz-Möbel. Doch auch eine Behandlung mit Lasuren oder deckenden Farben ist im Spektrum der Gestaltungsmöglichkeiten realisierbar; bis hin zu einem Verputzen der Holzwände.

Holz als Baumaterial

Botaniker unterscheiden Tausende von Baum- bzw. Holzarten. Doch wenn es um Bauholz in Deutschland geht, ist meistens die Rede von Fichte, Kiefer, Buche oder Eiche. Je nach Art besitzt das Material unterschiedlich ausgeformte Holhlraumstrukturen in seinem Zellenaufbau. Das führt zu enormer Festigkeit bei vergleichsweise geringer Dichte, verkürzt gesagt, ein Leichtgewicht, dabei hart wie Stahl. Aus Holzteilen und Holzfasern können Holzwerkstoffe entstehen, die genau die jeweils benötigten Eigenschaften in einzelnen Gewerken erfüllen. Die Fülle an Spanplatten, Faser platten, Furnier- oder Brettschichthölzern etc. ist riesig. Bauen mit Holz ist geprägt von professioneller Produktentwicklung und koordinierter Fertigung. Ein hoher Grad an Vorfertigung führt zu optimierten Bauprozessen, was Qualität und Termine angeht. „Holz war und ist unter allen Baumaterialien dasjenige, das aufgrund seiner Eigenschaften die besten Voraussetzungen für eine Vorfertigung mit sich bringt“, erklärt Professor Hermann Kaufmann, Fachmann für Holzbau an der TU München und Buchautor. Die Leichtigkeit und gute Bearbeitbarkeit des Materials prädestiniert es für die Produktion in einer Fabrikhalle und die Vorfertigung der Gebäudehülle habe in den letzten 20 Jahren den Holzbau revolutioniert. Neben computergesteuerten Produktionstechnologien und Automatisierung findet auch handwerkliche Tradition noch ihren Platz.

Holzhaus geht auch ganz modern, wie z. B. Baufritz mit seinem neuen Musterhaus „Alpenchic“ in der Ausstellung Poing bei München beweist. Foto: Baufritz
Holzhaus geht auch ganz modern, wie z. B. Baufritz mit seinem neuen Musterhaus „Alpenchic“ in der Ausstellung Poing bei
München beweist. Foto: Baufritz

Traditionell und modern

Mit Holz wurde im Baubereich durchaus experimentiert, aber auch eine Rückbesinnung auf Bewährtes lässt sich erkennen. Einfache, gute Konstruktionen und Formen könnten sich durchsetzen. Der Holzbau ist in relativ kurzer Zeit sehr vielfältig geworden. Auch wenn fast alles möglich ist, muss doch nicht alles auch gleichzeitig wirklich sinnvoll sein.

Beispiele für attraktive Holzhäuser

Holzblockbau

Foto: Fullwood
Foto: Fullwood

Bauweise: Münstereifeler Wald, einschaliger massiver Blockbohlenbau
Holz: nordische Kiefer
Dach: Satteldach
Wohnfläche: EG 53,51 , DG 32,30
Abmessungen: 8,00 m x 7,20 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Fullwood Wohnblockhaus

Für die Wände dieses Wohnblockhauses werden im Werk 20 Zentimeter starke Blockbohlen zu kompletten Elementen verleimt. Diese Vorfertigung erhöht die Qualität aller Bauteile und ermöglicht auf der Baustelle eine schnelle und kostengünstige Montage. Die mit CAD-System konstruierten Wände sind setzungsfrei, sodass sie problemlos mit Mauerwerk kombiniert werden können. Dass sie außerdem auf Dauer luftdicht sind, haben über längere Zeiträume wiederholte Blower-Door-Tests bewiesen. So lässt sich die traditionelle, einschalige Blockbauweise und ihre Vorteile für ein gesundes Raumklima mit der modernen Bauweise gemäß EnEV vereinbaren. Alternativ bietet Fullwood auch eine mehrschalige Blockkonstruktion an.

Modern interpretiert

Foto: Baufritz GmbH
Foto: Baufritz GmbH

Hausbezeichnung: Alpenchic
Bauweise: Holztafelbau mit Großelementen
Holz: Fichte und Lärche schadstoffgeprüft
Dach: Satteldach 15°
Wohnfläche: EG 98,8 , DG 74,95 
Abmessungen: 12,43 m x 8,83 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Baufritz GmbH & Co. KG

Musterhaus „Alpenchic“ zeigt sichtbare Holzbauarchitektur in zeitgemäßer Interpretation. Der rechteckige Baukörper, weite fassadenschützende Dachüberstände und die Holzschindelfassade schaffen einen sichtbaren Bezug zur alpenländischen Bautradition. Die Innenausstattung fand mit Weißtanne-Holzverkleidungen statt. Großzügige Verglasung dort, wo früher ein Scheunentor den Blick ins Innere freigab. Während früher eher kleinräumig und mit niedrigen Decken gebaut wurde, lädt hier ein großzügig bemessener, lichtdurchfluteter Koch-Ess-Wohn-Bereich zum offenen Wohnen ein. Am Boden wechseln sich Eschenholz und Natursteinbeläge ab, die Wände und Decken kleidet astfreies Tannenholz.

Villa für zwei

Foto: Haacke Haus
Foto: Haacke Haus

Hausbezeichnung: Sonderentwurf in Winkelbauweise
Bauweise: Holztafelbauweise, Holzfachwerk
Holz: aus dem Schwarzwald, vorwiegend Fichte, Verzicht auf chemischen Holzschutz
Dach: Satteldach 40°
Wohnfläche: EG 193,17 m2, DG 103,64 m2
Abmessungen: 14,87 m x 10,37 m + Winkelanbau 7,87 m x 9,25 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Haacke Haus GmbH & Co. KG

Blaugraue Lärchenholzschalung akzentuiert die Fensterbänder am Giebel und die weiße Putzfassade. Großzügige, oft bodentiefe Glasflächen holen das Tageslicht ins Innere. Die Loggia mit anschließender Terrasse ist dank des weiten Dachüberstandes übers ganze Jahr ein geschützter Freisitz. Die Bauherren wollten ursprünglich ein Fachwerkhaus bauen und verliebten sich bei der Besichtigung eines Musterhauses in die moderne Variante des Wohnens auf einer  Ebene. Sparsamer Energieverbrauch dank hervorragender Wärmedämmung sorgt für Effizienzhaus-Standard 55. Die Verwendung ökologischer Baustoffe macht das Domizil zum Gesundheitshaus. Solare Gewinne unterstützen die Warmwasserbereitung.

Maximale Raumnutzung

Foto: Regnauer Hausbau
Foto: Regnauer Hausbau

Hausbezeichnung: Haus Bruckberg
Bauweise: Massivholz-Riegel-Konstruktion
Holz: Fichte und Kiefer aus Deutschland
Dach: Satteldach 24°
Wohnfläche: EG 75,16 m2, DG 59,43 m2
Abmessungen: 8,56 m x 10,96 m
Preis: auf Anfrage
Hersteller: Regnauer Hausbau

Die weiß verputzte Fassade wird im Dachgeschoss durch waagrechte Rhombusleisten strukturiert. Harmonisch und bodenständig krönt ein Satteldach den modernen Baukörper. Im Süden und Westen öffnet sich das Haus und lädt zum Verweilen auf der umlaufenden Holzterrasse ein. Weite und Großzügigkeit ist im Erdgeschoss bestimmend. Die raffinierte, großflächige Eckverglasung schenkt dem offenen Wohn-, Ess- und Küchenbereich viel Tageslicht. Neben der optimalen Lichtausnutzung weitet sich der Wohnbereich nach außen. Mit drei Schlafzimmern und einem geräumigen Bad überrascht das Obergeschoss. Erhöht wird der Wohnkomfort durch das zwischen den Kinderzimmern liegende Studio.