Die Welt der Medien im eigenen Zuhause.

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Medien nutzt man heute überall, nicht nur zu Hause.
Foto: Samsung

Medien nutzt man heute überall, nicht nur zu Hause. Aber nur dort kann man es sich erlauben, einzuschalten, um komplett abzuschalten. Doch Vorsicht, das Suchtpotenzial der bunten Medienwelt ist weiter gestiegen. 

Die deutsche Übersetzung von „Binge Watching“ klingt nicht sehr fein: „Komaglotzen“. Daher bleiben Journalisten und ­Wissenschaftler lieber beim Englischen, wenn sie über dieses Phänomen berichten, das mit der Verbreitung von Internet-Sendern wie Netflix oder Watchever ganz neue Ausmaße angenommen hat. Weil Serienjunkies sich ihren „Stoff“ nicht mehr von der Videokassette oder der DVD holen müssen, sondern ihn direkt aus dem Web beziehen, als Video on Demand, werden es am Wochenende schnell einmal fünf Folgen „Game of Thrones“ oder „House of Cards“ hintereinander, bis die Augen brennen.

Ultra High Definition

Dem zu widerstehen ist auch für den Fernsehmuffel schwer, denn gegen das, was heutige Fernseher an Brillanz, Kontrast und vor allem an Tiefenschärfe bieten, sind die Bilder der guten alten Röhrengeräte Bildstörungen. Nach der Plasma- sind jetzt LCD- und OLED-Technik angesagt (LCD = Liquid Crystal Display bzw. Flüssigkristall-Display, OLED = Organic Light Emitting Diode bzw. organische Leuchtdiode), die aus den Signalen des hochauf­lösenden HDTV (High Definition Television) beeindruckende Seherlebnisse machen. Neuere, entsprechend gekennzeichnete Modelle setzen das noch schärfere UHD (Ultra High ­Definition Television) anstandslos um, mit gegenüber dem HDTV viermal höherer Auflösung. Sendungen, Spielfilme oder Dokumentationen in diesem Format gibt es allerdings noch kaum.

acht Millionen – UHD oder Ultra High Definition TV liefert Bilder in vorher nicht gekannter Schärfe.
8.000.000 Bildpunkte, in Worten: acht Millionen – UHD oder Ultra High Definition TV liefert Bilder in vorher nicht gekannter Schärfe. Foto: Panasonic

Smart TV

Neben dem klassischen Empfang über Antenne oder Kabel ist derzeit der über Satellit die günstigste Art, sich ein breites Angebot an Sendern aus der ganzen Welt ins Haus zu ­holen – die Zahl der Programme geht in die Tausende. aber viele zusätzliche Funktionen, zum Beispiel parallel zum Programm Zugriff auf alle mög­lichen Informationen rund um die ­jeweiligen Inhalte sowie auf die ­Mediatheken der Sender. Das Internetfernsehen über den Router ist etwas kost­­spie­liger, bietet aber viele zusätzliche Funktionen, zum Beispiel parallel zum Programm Zugriff auf alle mög­lichen Informationen rund um die ­jeweiligen Inhalte sowie auf die ­Mediatheken der Sender. Jedoch ­besteht auch für den Anbieter die Möglichkeit, den Konsum der Medien und das Surfverhalten seiner Kunden aus­zuspionieren (siehe Kasten „Smart TV und Datenschutz“).

Receiver für Internet-Fernsehen und Internet-Radio.
Receiver für Internet-Fernsehen und Internet-Radio, unter anderem mit Festplattenrekorder und Timeshift-Funktion: Man kann Live-Sendungen anhalten und sich später den Rest ansehen. Foto: Deutsche Telekom

Multirooming

In der Audiowelt kann man mittlerweile aus einem riesigen Spektrum an digitalen Radiosendern und ­Internet-Radiosendern wählen, kann Musik aller Sparten aus der Cloud per Streaming hören. Und in seinen vier Wänden kann man sie, mit Kabel oder drahtlos über Bluetooth beziehungsweise WLAN übertragen, im ganzen Haus genießen – Stichwort „Multirooming“. Abgesehen vom Server bräuchte man theoretisch ­keine Speichermedien mehr. Dennoch halten nicht nur Audiophile der Schallplatte die Treue, sie gewinnt ­sogar ständig neue Fans. Extra für sie wurden Plattenspieler mit digitalem Ausgang entwickelt.

Gerät mit Plattenspieler, Kassettendeck, CD-Player sowie Empfänger für digitale und analoge Radiosender.
Die Musiktruhe ist wieder da und sie kann mehr: Gerät mit Plattenspieler, Kassettendeck, CD-Player sowie Empfänger für digitale und analoge Radiosender. Foto: Dual

Gesünder fernsehen

Psychologen betrachten das „Binge Watching” nicht unbedingt als Problem, solange es nicht regelmäßig stattfindet. Ernst werde es dagegen, wenn man in das abgleite, was die Amerikaner „Purge Watching“ ­nennen: Die Betroffenen konsu­mieren über Stunden und Tage ganze Staffeln, nicht zum Vergnügen, sondern wie unter Zwang, nur um es zu Ende zu bringen – und das häufig alleine. Hier gilt also, was im Grunde auf fast jede Art der Freizeitgestaltung zutrifft: In der Gruppe, in der jeder auf den anderen aufpasst, ist es einfach gesünder.

Dieser Lautsprecher empfängt im Bluetooth- Standard übertragene Musiksignale.
Multirooming, drahtlos: Dieser Lautsprecher empfängt im Bluetooth- Standard übertragene Musiksignale. Foto: LG

Smart TV und Datenschutz

Wer Filme, Dokus, Liveberichte mittels des Standards HbbTV ­(Hybrid broadband broadcast TV) direkt aus dem Internet bezieht, kommt zusätzlich in den Genuss weiterer Angebote, kann so zum Beispiel parallel Hintergrundin­formationen zum Programm, zu den Sendungen abrufen oder die Mediatheken der Sender nutzen. Dabei aber besteht für den An­bieter die Möglichkeit, nicht nur den Konsum von Medien der Nutzer, sondern unter bestimmten Bedingungen ihre gesamten Aktivitäten im Netz auszukundschaften und die Daten an Dritte weiterzugeben, etwa an den umstrittenen Dienstleister Google Analytics.

Sicher vor den Datenkraken ist nur, wer die HbbTV-Funktion ­zeitweilig deaktiviert – und auf die Extras verzichtet. Alternativ kann er Internet-Filter einsetzen oder, noch aufwendiger, eine sogenannte Whitelist erstellen. Eine Liste von Internetseiten, die sein Gerät ansteuern darf. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat eine Musterklage gegen einen Hersteller eingereicht, dessen Smart TV Geräte die Daten der Nutzer allzu großzügig weiterleiten, ohne entsprechende Sicherheitshinweise. Aktuelle Infos dazu und zum ­Datenschutz generell findet man unter www.verbraucherzentrale.nrw. Unter www.verbraucherzentrale.nrw/medienglossar werden dort Abkürzungen aufgeschlüsselt und Fachbegriffe erklärt, mit denen Hersteller und Händler ihre Kunden beein­drucken wollen.

Klassische Hi-Fi- Technik hat nach wie vor ihre Freunde.
Klassische Hi-Fi-Technik hat nach wie vor ihre Freunde: Standlaut sprecher für klare, präzise Höhen und Bässe bis hinab
zu 45 Hertz. Foto: Teufel

Medien auf höchstem Stand der Technik

Das Eintauchen mittels Datenbrille in die Virtual Reality, in computergenerierte Welten, ist zurzeit noch etwas für Fans von Computerspielen. Doch die Größen der digitalen Wirtschaft, allen voran Facebooks Mark Zuckerberg, denken weiter. Sie wollen uns alle in naher Zukunft mit solchen Brillen nicht nur in Fantasiewelten, sondern an jeden Ort der Erde versetzen. Ein Gang durch den Louvre oder den Grand Canyon gefällig, ohne das Haus zu verlassen, per 360-Grad-Video? Als nächste Stufe wird dann die 3-D-Projektion im Wohnzimmer folgen. Setzt sich diese Technik durch, dürften Fernseher in zehn, fünfzehn Jahren so rührend nostalgisch wirken wie heute das Dampfradio.

Eintauchen mittels Datenbrille in die Virtual Reality.
Foto: Oculus

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