Wintergärten als optimale Lichtfänger.

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Die gläsernen Wände lassen die Grenzen zwischen innen und außen immer mehr verschwimmen.
Fließende Übergänge: Die gläsernen Wände lassen die Grenzen zwischen innen und außen immer mehr verschwimmen. Foto: WeberHaus

Wärmegedämmte Wintergärten als Teil des Hauses sorgen für größt­möglichen Tageslichteinfall und ­gewähren maximale Ausblicke nach draußen. Wichtig ist eine gute Planung, damit der Lichtfänger nicht zur Klimafalle wird.

Wintergärten zeichnen sich durch großflächige Transparenz aus, die für freien Durchblick und eine direkte Anbindung an die Natur sorgt. Sie werten die Wohnräume dahinter auf und bringen Licht, Luft und jede Menge Flair. Im Neubau sind sie in aller Regel in den Wohnraum integriert, mit durchgehendem Bodenbelag und ganzjährig nutzbar. Geschützt vom Glas ist man nah dran an Wind und Wetter, ohne ihnen ausgesetzt zu sein. In der warmen Jahreszeit sorgen große Flügel- oder noch besser ­Schiebetüren für einen fließenden Übergang auf die Terrasse und in den Garten. Die dunkle Jahreszeit ist für Wintergartenbesitzer grundsätzlich etwas heller als für die anderen. Der hohe Lichteinfall hebt die Stimmung auch dann, wenn die Sonne mal nicht scheint.

Wichtig ist eine gute ­Planung, damit der Lichtfänger nicht zur Klimafalle wird.
Foto: epr/Finstral

Variationsbreite der Lichtfänger

Wintergärten sind Hingucker mit ­einer große Variationsbreite in Stil und Architektur. Schon die klassische Ausführung als vorgezogenes, einstöckiges Bauteil besticht durch ­Formenvielfalt. Neben den rechteckigen existieren abgerundete Grundrisse oder die Konstruktion über Eck. Das Glasdach, meist Sattel- oder Pultdach, passt sich dem Wandverlauf flexibel an. Auch unter Dächern aus massiven Baustoffen sind Winter­gärten realisierbar. Hauptmerkmal ist die rundum durchlaufende Fensterfläche. Diese wird nicht durch zusätzliches Mauerwerk unterbrochen. Statt dessen werden die Scheiben von ­einer Rahmenkonstruktion gehalten. Häufig stehen der Ausführung als Glasanbau Bebauungspläne oder zu kleine Grundstücke entgegen. Als ­Alternative bietet sich eine Glasfas­sade an. Diese Variante profitiert auf ganz andere Weise vom Wintergarteneffekt. Sitzt man im Vorbau fast wie auf einer Terrasse schon halb im ­Garten, transportiert ein geschlossener Fassadenverlauf die Atmosphäre weit ins Haus hinein. Oft geht damit ein offener Grundriss einher, bei dem sich Lufträume und Galerie zu einem großen Ganzen verbinden. In Kombination mit der Verglasung, die bis ­unter die Dachunterkante oder sogar in den First hinein reicht, entstehen Raumwirkungen, die unvergleichlich sind.

Die maßgeschneiderten, flexiblen Glas-Faltwände.
Die maßgeschneiderten, flexiblen Glas-Faltwände lassen sich mit wenigen Handgriffen in jeder gewünschten Weite über die
gesamte Front öffnen oder schließen. Foto: Solarlux

Je nach Himmelsrichtung

Einerseits fließt der Wintergarten als Gebäudebestandteil in die Berechnungen für den Energieausweise mit ein und muss den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz genügen, andererseits erfordert der Baustoff Glas eine besonders sorgfältige Ausführung. Nur dann wird die Freude am Wintergarten nicht durch Probleme mit Schwitzwasser, Überhitzung oder Undichtigkeiten getrübt. Zwar geht auch bei der besten Iso­lierverglasung immer etwas Wärme ­verloren, jedoch sorgt der passive Wärmegewinn durch den Sonnen­einfall für einen gewissen Ausgleich. Wintergärten in südlicher oder westlicher Lage machen die Wärmever­luste zum großen Teil wett, wenn beispielsweise im Winter an sonnigen Tagen die Heizung abgedreht werden kann. Dass man im Sommer für ausreichende Beschattungsmöglich­keiten durch Markisen und Jalousien sorgen muss, damit sich die Innenräume nicht bis zur Unerträglichkeit aufheizen, ist die Kehrseite der ­Medaille. Auch im Osten oder Norden haben Wintergärten ihren Reiz. Ein Wintergarten in Nordlage eignet sich unter anderem hervorragend als Büro oder Arbeitszimmer. Da Wärmeverluste kaum durch Sonneneinstrahlung ­ausgeglichen werden können, sollte eine besonders gut wärmedämmende Verglasung gewählt werden.

Eine optimale Beschattung mit hitzeabweisenden Wabenplissees.
Eine optimale Beschattung mit hitzeabweisenden Wabenplissees sorgen dafür, dass der Wintergarten auch im Sommer zum Vergnügen wird. Foto: DUETTE

Konstruktion

Seine Standfestigkeit erhält der Wintergarten durch eine Tragwerkkon­struktion, die aus Holz-, Aluminium- oder Kunststoffprofilen oder aus einem kombinierten Holz-Metall-System ­bestehen kann. Holz wirkt feuchteregulierend und leitet wenig Wärme nach außen. Dadurch bleibt die Oberfläche warm und es bildet sich kaum Tauwasser. Im Außenbereich ist Holz jedoch relativ pflegeaufwendig. Als Schutz gegen UV-Strahlen und Witterung ist ein regelmäßiger Anstrich notwendig. Aluminium dagegen ist nahezu ­wartungsfrei. Allerdings hat Alumi­nium keine wärmeisolierende Wirkung. Diese wird durch die so genannte thermische Trennung der Außen- und Innenseite mit dazwischen liegender Dämmung erreicht. Die Kombination von Holz im Innen- und Aluminium im Außenbereich vereint die Vorteile beider Materialien miteinander. Kunststoff wiederum ist zwar günstig und pflegeleicht, aber nur bedingt tauglich. Ein Wintergarten ist extremen Belastungen ausgesetzt. Das Tragwerk muss große Temperaturunterschiede und eine enorme statische Beanspruchung durch Eigen-, Wind- und Schneelast bewältigen. Das macht eine Stahlverstärkung not­wendig. Trotzdem ist Kunststoff den Anforderungen nur bei sehr kleinen Anbauten gewachsen.

Luft und Schatten

Ein Wintergarten muss, wie bereits erwähnt, gut belüftet und beschattet werden. Für eine natürliche Belüftung macht man sich den thermischen ­Auftrieb zunutze. Durch Öffnungen in Bodennähe strömt kühle Zuluft nach, während die warme Luft einfach durch Lüftungsöffnungen im Dach nach draußen strömt. Mindestens zehn Prozent der Fensterflächen sollten sich öffnen lassen, damit ­Wärmestaus und Schwitzwasserbildung verhindert werden.

Die Jalousien übernehmen eine isolierende Funktion vor dem Fenster.
Die Jalousien übernehmen eine isolierende Funktion vor dem Fenster, die sich unabhängig von der Außentemperatur
angenehm auf den Wohnraum auswirkt. Die Wabe beinhaltet ein Luftpolster. Foto: DUETTE

Im Gegensatz zur mechanischen Lüftung, mit der ein gewisser Geräuschpegel einhergeht, ist die natürliche Lüftung unauffällig und kaum von Zugluft ­begleitet. Für die Beschattung sind außen­liegende Markisen oder Jalousien die erste Wahl. Sie halten die Sonnenstrahlen schon ab, bevor sie überhaupt in die Räume gelangen können, sind aber ohne automatisches Steuerungssystem wenig sinnvoll. Regen- und Windwächter gewährleisten, dass die Markisen rechtzeitig eingezogen werden. Noch besser ist eine intelligente Klimasteuerung, in die auch Heizung und Belüftung integriert sind. Dann kümmert sich der Wintergarten um sich selbst.

Eine optimale Beschattung mit hitzeabweisenden Wabenplissees.
Foto: Duette

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