Lampenfieber: Der Auftritt der LED Lampen.

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Lampen von Osram
Foto: Osram

Glühbirnen waren eigentlich nichts anderes als teure, ineffiziente Elektro-Heizungen. Lediglich fünf bis zehn Prozent des Stroms wandelten sie in Licht um, den Rest in Wärme. Ganz anders überzeugt der Auftritt ihrer Nachfahren, der LEDs.

Bevor das Aus für die Glühlampe angekündigt wurde, hatten viele die LEDs (von „Light Emitting Diodes“) bereits kennengelernt, in Hotels, Supermärkten oder Modegeschäften. Schuld am negativen Image war das grelle und zugleich kalte Licht der Dioden, das von einem hohen Blauanteil herrührt. Die Betreiber kümmerte das wenig, angesichts des erstaunlich geringen Strombedarfs der LED-Lampe. Sie verbraucht höchstens ein Fünftel dessen, was die Birne mit dem Wolframfaden schluckt.

Warm geworden

Die Glühbirne wird dennoch schmerzlich vermisst, aufgrund ihrer als wesentlich angenehmer empfundenen Strahlung, dank höherer Rotanteile im Spektrum, dem sanften Sonnenlicht der Nachmittags- und Abendstunden ähnlich. So wie man es zu Hause in Wohn- und Schlafzimmer schätzt, wo man zur Ruhe kommen will. Doch haben die LEDs in dieser Disziplin mittlerweile enorm aufgeholt, strahlen „warmweiß“ oder gar „extra warmweiß“. In anderen Disziplinen sind sie Glühbirnen und ebenso Kompakt-Leuchtstofflampen (KLL), den ersten „Energiesparlampen“, haushoch überlegen. Sie bringen sofort volle Leistung, vertragen häufiges Ein- und Ausschalten, sind robust – und enthalten kein Quecksilber. Äußerlich ähneln sie mit ihren Kolben und mit E27- oder E14-Sockeln als „Retrofits“ den Klassikern mit Glühfaden.

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Mit stilvollen LED-Retrofit-Lampen lässt sich auch historisches Ambiente schaffen, ohne Energie zu verschwenden. Foto. Ledon

Es rechnet sich

Und während die Energiefresser mit knapp 1.000 Betriebsstunden überdies äußerst kurzlebig sind, halten die meisten LEDs mindestens 6.000 Stunden durch, vereinzelt auch mehr als dreimal so lang. Dabei nimmt die Leuchtkraft natürlich allmählich ab. In welchem Maße das allerdings geschieht, ist von Modell zu Modell unterschiedlich. Nur die Preise von 20 bis 60 Euro lassen Käufer noch zögern. Rechne man jedoch das Durchhaltevermögen der Dioden und den niedrigen Stromverbrauch dagegen, meinen Stiftung Warentest und die Verbraucherzentralen, mache sich die Investition bereits lange vor Ende der Lebensdauer bezahlt, in der Regel nach drei bis vier Jahren. Gerade dort, wo Dauerbrenner gefragt seien, im Treppenhaus etwa, seien LEDs die einzig richtige Wahl.

Die Arbeitsplatzbeleuchtung in der Küche soll die Arbeitsplatten gut ausleuchten, aber auch als Hintergrundbeleuchtung funktionieren. Verbatim
Die Arbeitsplatzbeleuchtung in der Küche soll die Arbeitsplatten gut ausleuchten, aber auch als Hintergrundbeleuchtung funktionieren. Foto: Verbatim

Wohlfühllicht

Flackern und Brummen können auftreten, sobald eine dimmbare Lampe über einen ungeeigneten Dimmer geregelt wird. Hier gilt es, die aktuellen Testberichte zu sichten und die Herstellerangaben zu beachten. Zur besonders überzeugenden Farbwiedergabe, am Esstisch zum Beispiel, empfehlen die Warentester noch die nach wie vor erhältlichen Halogen-Glühlampen, den herkömmlichen Glühbirnen an Effizienz leicht überlegen. Doch die LED-Industrie zumindest behauptet, auch in dieser Hinsicht gleichgezogen zu haben. Was übrigens das kalte Licht angeht, für das die erste Generation berüchtigt war, so kann es durchaus seinen Platz im Haus haben. Es wirkt wegen des höheren Blauanteils vitalisierend, steigert die Aufmerksamkeit, denn es unterdrückt im Organismus die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Solch ein „Tageslichtweiß“ gehört dorthin, wo gearbeitet wird, ins Home Office zum Beispiel, sofern es im betreffenden Raum an echtem Tageslicht mangelt. Immaterielles Licht Für professionelle Lichtplaner ist das, was im Einfamilienhaus in die Fassungen geschraubt wird, schon Schnee von vorgestern. Sie nutzen die Dioden ja gerade, weil sie so klein und „immateriell“ sind, unkompliziert in Wände, Böden, Decken und in Möbel zu integrieren. Und hantieren bereits fleißig mit den flächigen OLEDs, organischen LEDs, oder den papierdünnen, flexiblen LECs (elektrochemische Zellen).

LED Flimmern

Untersuchungen des Verbands Baubiologie haben ergeben, dass durch die Netzspannung und lampenintegrierte Elektronik niedrige und höhere Frequenzen entstehen, die zu nicht wahrnehmbarem Flimmern führen. Manche LEDs flackern knapp oberhalb der fürs menschliche Auge wahrnehmbaren Frequenz und erzeugen damit indirekt Stress im Gehirn. „Wir sehen das Flimmern nicht, spüren jedoch seine Auswirkungen“, erklärt Joachim Gertenbach, Vorsitzender des Verbands Baubiologie. Wer sich vermehrt über Kopfschmerzen, Migräne oder Unwohlsein wundere, solle daher die Beleuchtung in seiner Umgebung prüfen. Verbrauchern wird geraten, getrennte Netzkreisläufe für Gleichstrom (Beleuchtung) und Wechselstrom (andere Elektrogeräte) einzurichten. Niedervolt-LED-Lampen mit 12-Volt-Spannungsversorgung sollten in jedem Fall mit Gleichstrom versorgt werden. Als sichere Lösung empfiehlt der Verband, flimmernde LED-Leuchten aus dem direkten Arbeits- und Sichtfeld fernzuhalten und bei Schreibtisch- oder Nachttischlampen lieber Halogenlicht einzusetzen.

Die richtige Lampe

In der LED-Welt muss man die Angaben auf den Packungen etwas genauer studieren, um die jeweils passende Lampe zu finden: Stimmen Farbtemperatur, Helligkeit bzw. Lichtstrom, Schaltfestigkeit, Farbwiedergabe, kann man sie dimmen?
Betreibt man nicht dimmbare LEDs an Dimmern, kann das im Extremfall zu Bränden führen. Sicherheitshalber sollte man die Verkäufer fragen oder auf der Website des Herstellers nachsehen.

Farbtemperatur: „Kaltes“ Licht macht wach, ist für den Tagesausklang in Wohn- und Schlafzimmer ungeeignet. Maßeinheit für die Farbtemperatur ist „Kelvin“ (K); sie stiftet bisweilen Verwirrung, da das Licht umso kälter ist, d.h. einen umso höheren Blauanteil hat, je höher der Wert ist: warmweiß – 2.700 K bis 3.300 K, neutralweiß – 3.300 K bis 5.300 K, tageslicht-weiß/kaltweiß – ab 5.300 K, extra-kaltweiß – ab 6.500 K.
Helligkeit oder Lichtstrom: Achtung: Helligkeit – oder Lichtstrom – wird im Alter wichtiger. Der Lichtstrom wird in der Einheit „Lumen“ angegeben. 180 bis 200 Lumen entsprechen der Leuchtkraft einer konventionellen 25-Watt-Glühbirne, die schon 2009 ausgemusterte 100-Watt- Birne kam gemäß Stiftung Warentest auf 1.150 bis 1.270 Lumen (350 bis 390 Lumen: 40 Watt, 590 bis 650 Lumen: 60 Watt; Quelle: „test“ 5/2012).
Schaltfestigkeit und Lebensdauer: Die voraussichtliche Lebensdauer wird in Stunden (h) angegeben, Maß der Schaltfestigkeit ist die voraussichtliche Anzahl der Schaltvorgänge („on/off“), die die Lampe schadlos übersteht (z.B. „10.000 on/off“).
Farbwiedergabe: Einheit: Farbwiedergabeindex Ra; im besten Licht erscheinen Gerichte, Kunstwerke oder Menschen bei einem Farbwiedergabeindex Ra von 100, wie Glühbirnen ihn erreichen können. Lampen mit einem Ra von unter 70 sollte man im Regal liegen lassen. Dimmen: Ist das Dimmersymbol durchgestrichen, ist die Lampe nicht dimmbar. Ist sie es, versehen einige Hersteller die Packung zusätzlich mit dem Hinweis „dimmable“.

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